Kreis Viersen: Streit am Heizöltank
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 18.10.2008Kreis Viersen (RPO). Viele Kunden haben vor drei Wochen Öl bestellt. Der Preis hat seither kräftig nachgelassen. Aber sie müssen beim Händler den seinerzeit vereinbarten Preis bezahlen. Die Lieferzeiträume wachsen wegen der hohen Nachfrage.
In den vergangenen Tagen sind die Preise für Heizöl kräftig gesunken. Doch vielen Kunden schwillt die Zornesader, wenn der Händler die bestellte Ware liefert und die Rechnung präsentiert. Denn wer beispielsweise vor vier Wochen geordert hat, zahlt den damals gültigen, im Vergleich zu heute deutlich höheren Preis. Das wollen viele Verbraucher nicht einsehen. Sie wollen zum aktuellen Preis beliefert werden. Nicht selten kommt es draußen am Tankwagen zu heftigen Auseinandersetzungen.
Doch sind die Kunden im Unrecht. Die Händler dürfen sich auf ein rechtskräftiges Urteil des Landgerichts Duisburg vom 22. Juli 2007 (Az 6 O 408/06) berufen. Demnach kann sich kein Kunde auf das Widerrufsrecht nach dem Fernabsatzgesetz berufen.
Erdgas wird teurer
Koppelung Viele Erdgaskunden müssen in den kommenden Wochen kräftige Preisschübe nach oben hinnehmen. Hintergrund: Der Gaspreis ist generell mit dem Ölpreis gekoppelt – mit einer Verzögerung von einem halben Jahr.
Grund Durch die Kopplung wird die Konkurrenzfähigkeit von Erdgas mit dem Heizöl gesichert. Sie gibt Erdgasfirmen auch eine langfristige Absatzsicherheit. Früher war der Gaspreis übrigens mit dem Kohlepreis gekoppelt.
Im behandelten Fall hatte ein Sammelbesteller 18.500 Liter Heizöl für einen 16 Tage später liegenden Termin bestellt. Sechs Tage später wollte der Kunde die Lieferung stornieren. Das Gericht entschied gegen ihn. Der Preis für Heizöl unterliege am Finanzmarkt erheblichen Schwankungen. Darauf habe der Heizöllieferant keinen Einfluss. Also müssen beide Vertragspartner mit dem Risiko leben, dass sich nach der Bestellung der Preis ändert. Steigt er, muss der Händler dies verkraften, sinkt er, muss der Kunde damit leben.
„Viele Kunden verstehen das nicht. Sie pochen darauf, zum günstigeren Preis beliefert zu werden, obwohl die Lieferung vor drei oder vier Wochen vereinbart wurde. Sie reagieren böse, und leider gibt es richtig harte Auseinandersetzungen“, bestätigt der Nettetaler Händler Klaus Timmermanns. Ähnliches erlebt Simone Woltery aus Niederkrüchten.
Sie hat sich, wie andere Händler auch, das Urteil besorgt und legt es aufgebrachten Kunden vor. „Nicht alle sehen ein, dass die Rechtslage eindeutig ist. Man wird mitunter übel beschimpft.“ Timmermanns und seine Kollegen haben aber keine andere Chance: „Ich ordere das Öl sofort, wenn der Kunde es bestellt. Es gilt der tagesaktuelle Preis.“
Die Händler bestätigen vor dem Hintergrund einer hohen Nachfrage Engpässe bei ihren Lieferanten. „Wir gehen mit der Lieferung der heutigen Bestellung in die vierte Woche“, berichtet Simone Woltery. „Es werden Fahrer gesucht, die Kapazitäten sind bis zum äußersten ausgereizt“, ergänzt Timmermanns. Viele Kunden haben zuletzt 2006 Heizöl geordert, jetzt sitzen sie auf dem buchstäblich letzten Tropfen im Tank.
Im Oktober ist das nicht ganz so dramatisch, zumal die Händler Kunden nicht kalt sitzen lassen – vor allem dann nicht, wenn Kinder in der Familie leben. Manche Verbraucher sind allerdings erstaunlich sorglos. „Wir liefern an Heiligabend um 19 oder Silvester um 20 Uhr noch Heizöl aus. Das ist keine Seltenheit. An den Feiertagen, wenn der Tankwagen nicht fahren darf, geht’s auch schon mal mit ein paar Kanistern als Überbrückung zum unterkühlten Kunden.
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