Viersen: Streit um Altweiber-Party
VON JOACHIM NIESSEN - zuletzt aktualisiert: 19.11.2008Viersen (RPO). Altweiber ist in der Karnevalshochburg Dülken Feiertag. Den nutzt seit einigen Jahren auf dem Alten Markt auch die Jugend. Die Folgen: Alkoholexzesse und betrunkene Kinder. Politik und Verwaltung sind ratlos.
Es hatte etwas von einem Schwarzer-Peter-Spiel – was Ratsvertreter und Verwaltungsspitze in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses betrieben. Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Altweiberveranstaltung auf dem Dülkener Marktplatz im nächsten Jahr. „Klar ist, was wir nicht wollen“, sagte Hans-Josef Kampe von der Drogenberatung. „Wenn Kinder auf den Straßen und in den Hauseingängen mit 2,5 Promille aufgegriffen werden und die Eltern zu besoffen sind, ihre Töchter und Söhne abzuholen, dann stimmt da etwas nicht.“
Sponsoren abgesprungen
Das hatte sich vor rund einem Jahr auch das städtische Jugendamt gesagt und das Konzept für Altweiber geändert. Statt einer Fete mit Live-Musik auf dem Alten Markt gab’s eine alkoholfreie Disko im Bürgerhaus. „Das hat nicht funktioniert“, musste jetzt Jugendamtsleiter Volker Lamerz einräumen. Erinnerungen an den „Reinfall 2008“ wurden wach: In vier Stunden schauten damals insgesamt 200 junge Leute in Dülkens gute Stube. Geblieben sind die wenigsten. Auf der Tanzfläche herrschte gähnende Leere.
Karneval ohne Alkohol
Hauptausschuss Der Hauptausschuss wird sich in seiner Sitzung am 9. Dezember im Forum noch einmal mit dem Thema „Altweiberveranstaltung Dülken“ beschäftigen.
Disko Die Disko im Bürgerhaus an Altweiber 2008 war bereits die 5. Veranstaltung der Reihe „Karneval ohne Alkohol“ für Jugendliche.
Eine Konsequenz: Sponsoren, die das Spektakel in der Vergangenheit unterstützt hatten, sprangen ab. „Daher brauchen wir jetzt 5000 bis 7000 Euro an öffentlichen Mitteln, um für 2009 zu planen“, so Lamerz. Wie das Dülkener Altweiber-Spektakel 2009 allerdings ablaufen soll, darüber hüllte sich die Verwaltung in Schweigen. „Ich habe hier keine Lust, einen Blanko-Scheck auszustellen“, so CDU-Fraktionsvorsitzender Stephan Sillekens. „Wir haben das Debakel schon vor einem Jahr kommen gesehen. Jetzt stehen wir mit leeren Händen da.“ Eher hilflos wirkte die Reaktion von Jugendamtsmitarbeiterin Noosha Aubel: „Ich halte es für illusorisch, dass wir eine Veranstaltung schaffen, die von Jugendlichen gut besucht wird, bei der aber kein Alkohol konsumiert wird.“ Ob die Verwaltung nach diesem ernüchterndem Fazit zurück auf den Alten Markt oder einen zweiten Versuch im Bürgerhaus machen will, weiß derzeit niemand.
„Wenn wir jedoch nichts anbieten, haben wir das Heft des Handelns in keiner Weise in der Hand“, warnte Grünen-Fraktionschefin Martina Maaßen. Das sieht auch Kampe so: „Wir wollen alle, dass auf dem Markt etwas gemacht wird. Doch wir kennen kein Konzept. Wir wissen nicht, wie viele Mitarbeiter des Jugendamtes und der Polizei wir brauchen. Es darf allerdings nicht sein, dass wir am Ende so viel Polizeipräsenz haben, dass es aussieht, als ob sich die Polizeigewerkschaft auf dem Dülkener Markt trifft.“
Holger Jentgen, Leiter der Polizeiwache Viersen, hat eine ganz andere Idee: „Warum soll man es nicht mit einem besseren Programm noch einmal im Bürgerhaus versuchen. Um es überspitzt zu formulieren: Wenn ,Tokio Hotel’ ins Bürgerhaus kommt, sind die Jugendlichen vom Markt weg.“ KOMMENTAR/FRAGE DES TAGES
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