Viersen: Tochter eingesperrt: Opfer sagt nicht aus
VON INGRID KRUGER - zuletzt aktualisiert: 06.12.2010 - 15:57Viersen (RPO). Erneut musste sich jetzt ein Ehepaar vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts die Anklage anhören. Der erste Prozess war geplatzt, weil tunesische Zeugen nicht pünktlich erscheinen konnten.
Nach wie vor wirft die Staatsanwältin dem 44-jährigen Ehemann und seiner 46 Jahre alten Ehefrau vor, die gemeinsame Tochter (26) vier Monate lang in der elterlichen Wohnung eingesperrt zu haben. Zudem sollen die aus dem Libanon stammenden Eltern die Tochter bedroht und mit einem Gürtel geschlagen haben. Außerdem sollen sie die schwangere Frau zu einer Abtreibung in Holland gezwungen haben.
Damit wollten die Angeklagten die Beziehung der Frau mit einem Araber verhindern. Ehemann ausgesucht Im Oktober 2008 hatte die Tochter ihren Eltern von der Beziehung mit dem Araber und der Schwangerschaft berichtet. Doch die Angeklagten hatten für sie bereits einen Ehemann aus dem Libanon ausgesucht. Die Eltern waren der Ansicht, dass die Tochter mit ihrer Beziehung gegen die Familienehre verstoßen habe.
Sie reagierten mit Freiheitsberaubung, Nötigung, gefährlicher Körperverletzung und Geiselnahme, so die Anklage. Doch jetzt wollte sich keiner mehr so richtig an die Straftaten erinnern. Der Vater machte sofort von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und schwieg. Die Mutter bestreitet die Vorwürfe, was sie durch ihren Verteidiger und die Dolmetscherin erklären ließ. Das Ganze habe überhaupt nicht stattgefunden. In einem großen offenen Haus wie dem ihrigen sei das gar nicht möglich, meinte die Mutter von neun Kindern. Außerdem sei die Familie wieder versöhnt.
Vor ein paar Wochen sei man nach Plauen in Sachsen gefahren. Dort leben inzwischen Tochter und Schwiegersohn, Eltern von einem sieben Monate alten Kind. Die Familie habe das Kriegsbeil begraben. Man freue sich über das Enkelkind. Die Mutter des Enkelkindes verweigerte ebenfalls die Zeugenaussage. „Ich will nicht, dass meine Eltern bestraft werden“, beteuerte die Tochter. Den Vater ihres Kindes wolle sie demnächst auch standesamtlich heiraten. Doch es fehle noch an den Scheidungspapieren.
Der künftige Schwiegersohn wollte ebenfalls die Aussage verweigern. Er befürchte Verfahren, weil er in früheren Aussagen nicht immer die volle Wahrheit gesagt habe. Das bekräftigt der 39-Jährige mit einem Eid. Auf Allah wollte er allerdings nicht schwören. Aber in einer ersten polizeilichen Vernehmung hatte das Pärchen einem Polizeibeamten noch von der Freiheitsberaubung im Elternhaus berichtet und um Zeugenschutz gebeten.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



