Viersen: Ungeliebte Hakenkreuze
VON ANDREAS GRÖHBÜHL - zuletzt aktualisiert: 29.01.2009Viersen (RPO). Mit seinem Ultimatum hat der evangelische Pastor Matthias Engelke Unmut bei der Pfarre St. Sebastian erregt. Der Kirchenvorstand erklärt, warum die Hakenkreuze noch nach mehr als einem Jahr an der Alten Kirche prangen.
Lobberich Mit Befremden hat der Kirchenvorstand St. Sebastian Lobberich das Ultimatum von Pastor Matthias Engelke aufgenommen. Dieser hatte am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus angekündigt, die Hakenkreuz-Schmierereien an der Außenwand der Alten Kirche in Lobberich mit eigenem Farbeimer und Pinsel zu entfernen – falls bis Dienstag kommender Woche kein verbindlicher Termin für das Überstreichen genannt werde. Seit November 2007 prangen Hakenkreuze an der Alten Kirche.
Nun hat Jürgen Boyxen, Kirchenvorstand der katholischen Gemeinde, das Gespräch mit dem evangelischen Pastor Engelke gesucht. Er hat ihm erklärt, dass dem Kirchenvorstand die Schmierereien auch lieber heute als morgen überstreichen würde. Das sei aber noch nicht geschehen, weil man mit der Stadt eine langfristige Lösung suche. "Immer wieder wird die Fassade verunstaltet. Es werden sogar Fenster eingeworfen", sagt Boyxen. Das koste die Gemeinde regelmäßig tausende Euro. Die Polizei und Versicherung hätten der Gemeinde deshalb den Tipp gegeben, den Bereich hinter der Kirche abzusperren. Und dann auch erst die Graffiti zu entfernen. "Sonst muss man nicht lange warten, bis neue da sind", sagt Boyxen.
Täter nicht gefasst
Die Schmierfinken, die die Hakenkreuze auf die Alte Kirche in Lobberich sprühten, sind noch unbekannt. Kirchenvorstand Jürgen Boyxen rechnet auch nicht mehr damit, dass sie noch gefasst werden. Ursprünglich wollte die Gemeinde diese selbst ihre Graffiti überstreichen lassen.
Sicherheit durch Beleuchtung
Die Stadt aber wolle den Durchgang nicht schließen und habe als Alternative Bewegungsmelder oder nächtliche Beleuchtung vorgeschlagen. Darüber diskutiert der Kirchenvorstand momentan – das nächste Mal am 5. Februar. Zufrieden ist Jürgen Boyxen mit den städtischen Vorschlägen nicht. Er sehe auch, dass die Hakenkreuze jetzt schon eine ziemlich lange Zeit die Fassade verunstalten. "Wenn wir nicht bald mit der Stadt einig werden, lassen wir die Schmierereien entfernen", sagt er. "Aber nicht aufgrund eines Ultimatums." Auf jeden Fall sollen nun zumindest die Hakenkreuze verschwinden.
Boyxen sagte, die Pfarre St. Sebastian habe als Initiator der Streetworker in Nettetal bewiesen, dass sie etwas gegen die Ursachen der Zerstörung tue. "Es ist viel wichtiger, die Schmierereien in den Köpfen zu beseitigen als die Schmierereien selbst", erklärt Boyxen.
Mit Pastor Engelke hat sich Boyxen inzwischen ausgesprochen. Die katholische und die evangelische Gemeinde würden auch weiterhin vertrauensvoll zusammenarbeiten. Auch wenn Jürgen Boyxen der öffentliche Auftritt von Pastor Engelke nicht gefallen hat. Der sagte: "Es ging mir nicht darum, der katholischen Gemeinde vors Schienbein zu treten. Ich konnte einfach nicht dazu schweigen – an einem solchen Gedenktag."
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