Viersen: Untersuchung mit Videokapsel
VON NATASCHA BECKER - zuletzt aktualisiert: 30.08.2008Viersen (RPO). Als erstes Krankenhaus im Kreis setzt das Nettetaler Krankenhaus eine Videokapsel zur Darm-Untersuchung ein. Statt eines Schlauches muss der Patient lediglich eine Kapsel schlucken, die Bilder aus dem Körper liefert.
Lobberich „Einfach wunderbar und problemlos. Ich hatte keinerlei Beschwerden“, sagt Marie-Therese Feyen. Was sie so strahlen lässt, ist eine Kapsel. Die hat es in sich – im wahrsten Sinne des Wortes. Im Inneren befindet sich eine Minikamera mit Beleuchtungs-LED samt Sender, Batterie und Antenne.
Marie Therese Feyen gehört zu den ersten Patientinnen im Krankenhaus Nettetal, die mit Hilfe dieser Videokaspel am Dünndarm untersucht wird. Die 78-jährige Brachterin musste im Gegensatz zur herkömmlichen Endoskopie, bei der ein Schlauch geschluckt werden muss, lediglich die Kapsel schlucken. Außerdem wurde sie mit einem Sensorfeld ausgerüstet. „Das ist mit einem Langzeit-EKG vergleichbar. Acht Sensoren werden über den Bauch verteilt, dazu trägt man das eigentliche Aufzeichnungsgerät mittels eines Bauchgurtes“, erklärt Dr. Michael Pauw, Chefarzt der Inneren Medizin und Gastroenterologe.
Die Kosten
Investition Für die neue Technik hat das Krankenhaus 10 000 Euro investiert.
Technik Zu der Anschaffung gegörten ein Datenrecorder, Sendeeinheit und ein Laptop mit entsprechender Software.
Kapsel Zusätzlich zu den Investitionskosten kommen für das Krankenhaus jeweils die Kapselkosten pro Patient. Eine Videokapsel kostet 580 Euro.
Zwei Bilder pro Sekunde
Einmal aktiviert, erzeugt die Videokapsel auf ihrer Reise durch den Körper zwei Bilder pro Sekunde. Sie werden über eine Funkverbindung gesendet und im Rekorder aufgezeichnet, den der Patient am Körper trägt. Nach sechs bis acht Stunden erhält der Mediziner einen kompletten Videofilm der Kapselfahrt durch den Dünndarm. Die Kapsel scheidet der Patient auf dem herkömmlichen Wege aus.
Die Vorteile des neuen Verfahrens, dass das Krankenhaus Nettetal als einziges im Kreis Viersen anbietet, liegen auf der Hand. „Es ist erstmals möglich, einfach und patientenschonend den gesamten Dünndarm anzuschauen“, erklärt Dr. Pauw. Vor allem Patienten mit einem unklaren Blutverlust im Magen-Darm-Trakt profitieren von der Technik, die das Krankenhaus seit rund einem halben Jahr nutzt. „Wo es angebracht ist, nutzen wir das neue Verfahren. Bislang waren es ein bis zwei Patienten im Monat“, berichtet Oberarzt Michael Heines.
Ganz neu ist die Möglichkeit, mit Hilfe einer Kapsel den Dickdarm zu untersuchen. Allerdings bietet das alte Verfahren hier Vorteile. Der Arzt kann dabei direkt Gewebeproben entnehmen und mögliche Darmpolypen entfernen. „Die Kapsel ersetzt herkömmliche Untersuchungen nicht. Sie kann nur zusätzlich bei bestimmten Krankheitsbildern eingesetzt werden“, betont Dr. Pauw.
Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen auf Antrag die Dünndarmuntersuchung. Die Dickdarmdiagnostik wird noch nicht übernommen. Ob die Untersuchung des Darmes durch die Kapselendoskopie sinnvoll ist, muss durch einen Gastroenterologen geklärt werden.
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