Kreis Viersen: Venlo beerdigt Superzentrum
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 19.04.2007Kreis Viersen (RPO). Der 35 Hektar große Experience Park Limburg vor den Toren der Stadt wäre eine massive Bedrohung für den Einzelhandel und die gesamte innere Struktur. Venlo will das 20 Hektar große Kasernengelände in Blerick beleben.
Mark Verheijen hat gestern ein Millionenprojekt zu Grabe getragen. Der Experience Park Limburg, geplant auf einem 35 Hektar großen Gelände an der Autobahn von Duisburg nach Eindhoven, wird planerisch von der Stadt nicht weiter begleitet. Der für Wirtschaft und Stadtentwicklung verantwortliche Wethouder nannte im Stadhuis am Venloer Markt auch die Gründe: Der Moloch werde die Innenstadt und den Einzelhandel erdrosseln.
Die Investoren vom Immobilienfonds MAB haben es wohl mit Fassung ertragen, dass nach Geldermalsen nun auch Venlo ihre millionenschweren Pläne ablehnt. Denn Verheijen rechnet eher nicht damit, dass MAB nun vor Gericht zieht, um Venlo zum Planen zu zwingen. Vielmehr liegt dem Unternehmen das Angebot der Grenzstadt auf dem Tisch, ein 20 Hektar großes Gelände am westlichen Maasufer zu revitalisieren. Es handelt sich um die frühere Kaserne und weitere Gebäude, die allesamt der Stadt Venlo gehören.
Politik
Stadtrat Erst jetzt wird sich der Stadtrat mit den Plänen befassen und die im Rathaus entwickelten Alternativen unter die Lupe nehmen. Man hat den Bürgermeister und seine Crew in Ruhe arbeiten lassen.
Alternativen In Venlo wird ausgeschlossen, dass MAB nun in Deutschland einen Standort suchen wird. Dem Unternehmen gehört übrigens auch der Komplex Aldi/Ex-Hema am Vleesplein.
Im Winter 2006 hatte MAB sich das Filetstück gleich neben dem bereits entstehenden Floriade-Areal im Autobahnkreuz Zarderheiken angsehen und für gut befunden. Auf 35 Hektar Flächen sollten viele Millionen verbuddelt werden, damit auf 169 000 Quadratmetern Fläche Einzelhandel und Vergnügungseinrichtungen für schätzungsweise zehn Millionen Besucher jährlich gebaut werden konnten. Etwa 4000 Arbeitsplätze entstünden direkt, im Umfeld weitere 2000, so die Projektmanager.
Doch kaum waren die Pläne bekannt, rumorte es im Einzelhandel. In Venlo und darüber hinaus schlossen sich Kaufleute zusammen. Sie nahmen die Stadtverwaltung heftig unter Feuer, da seien sogar schon Deals beschlossen. Der Stadtrat hielt sich zurück und überließ dem College (Bürgermeister und Wethouder) die Arbeit. Seit März liegen die Pläne konkret vor – und das College winkte ab. Zehn Prozent Umsatzeinbußen werde durchschnittlich jeder Händler in jeder Branche erleiden. „Das überstehen viele nicht“, so Verheijen gestern. Die Folge: Venlo verlöre sein Gesicht. MAB wusste das übrigens und riet der Führungsriege im Rathaus, die Innenstadt kleiner und kompakter zu strukturieren.
Doch jetzt liegt die Alternative auf dem Tisch. Gegenüber dem im Bau befindlichen Maasboulevard (er stockt im Augenblick) könnte am anderen Maasufer ein neues Einkaufszentrum entstehen, das mit einer Brücke Verbindung zur Venloer Innenstadt bekäme. Für Investoren eine neue Spielwiese, denn 20 Hektar sind zu überplanen. Allerdings weiß Verheijen, dass die Chance zu scheitern groß ist. Das Kasernengelände kann Venlos Zukunft sein. Man kann sie damit aber auch versauen.
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