Viersen: Veranstalter kapitulieren
VON ANDREAS REINERS - zuletzt aktualisiert: 28.11.2007Viersen (RPO). Die Politiker im Jugendhilfeausschuss reagierten überrascht. Jugendamt und Dülkener Karnevalisten ändern ihr Konzept für Altweiber. Statt einer Fete mit Live-Musik auf dem Alten Markt gibt’s eine Disco im Bürgerhaus.
„Das Konzept greift nicht mehr“, gab Noosha Aubel vom Jugendamt in ihrem Vortrag vor dem Jugendhilfeausschuss zu. Gemeint war das vor vier Jahren aus der Taufe gehobene Konzept, mit einer Alkohol-freien Open-Air-Veranstaltung dem extremen Alkoholkonsum von Jugendlichen an Altweiber in der Dülkener Innenstadt Herr zu werden. Unter dem Motto „Stimmung gibt’s auch ohne“ hatten Stadtverwaltung, Vaterstädtischer Verein, Jugendzentren, Polizei, Drogenberatung, Rotes Kreuz und andere Einrichtungen in Zusammenarbeit mit den Schulen die Musikveranstaltung organisiert. Zunächst über Informationsveranstaltungen, später auch über so genannte Elternbriefe waren die Eltern mit ins Boot genommen worden. Nachdem es in den vergangenen Jahren – trotz aller Bemühungen – erneut zu Alkoholexzessen unter Jugendlichen gekommen war, haben sich die Organisatoren in der vergangenen Woche entschlossen, die Open-Air-Veranstaltung zu kippen. Statt dessen soll es am Altweiberdonnerstag von 13 bis 17 Uhr eine alkoholfreie Disco im Dülkener Bürgerhaus geben. Entsprechende Gespräche mit Vaterstädtischem Verein und Schulen hat es gegeben.
Altweiber-Disco
Der Plan Statt einer Open-Air-Veranstaltung mit Live-Bands auf dem Alten Markt soll es zu Altweiber 2008 (Donnerstag, 31. Januar) eine Indoor-Veranstaltung mit Disco im Bürgerhaus in Dülken geben.
Das Programm Neben Musik aus der Konserve ist ein Rahmenprogramm in der Diskussion. Fest steht, dass Prinzenpaare nach dem offiziellen Auftakt des Straßenkarnevals auch ins Bürgerhaus kommen. Bürgermeister Günter Thönnessen wird die jugendlichen Besucher ebenfalls begrüßen.
Die Politiker im Jugendhilfeausschuss zeigten sich einigermaßen überrascht, oder wie es CDU-Fraktionsvorsitzender Stephan Sillekens formulierte, „erschüttert“ über diesen „Rückzug hinter Mauern“ (Sillekens). Begriffe wie „Bankrotterklärung“ der Jugendarbeit fielen in der Sitzung. Die Politiker empfanden das neue Konzept als „Kapitulation“ vor den – zugegeben – nicht geringen Problemen. Jugenddezernent Dr. Paul Schrömbges nahm seine Mitarbeiter in Schutz. „Das Jugendamt habe nicht Bankrott erklärt“, sagte er. Die Entscheidung sei gemeinschaftlich im Arbeitskreis mit allen an der Veranstaltung Beteiligten getroffen worden. Schrömbges sprach von einer „Insolvenzerklärung“ vor der allgemeinen Erziehungssituation.
Für die weiterführenden Schulen betonte der Süchtelner Hauptschulleiter Ulrich Vriens, für die Jugendlichen müsse die Sicherheit oberstes Gebot haben. Die sei mit einer Veranstaltung im Bürgerhaus eher gewährleistet als mit dem Open Air auf dem Alten Markt. Vriens erklärte, dass die Schulen das Thema Alkohol zu Karneval im Unterricht thematisierten. Mit den Elternbriefen habe man gute Erfahrungen gemacht, berichtete der Pädagoge. Allerdings erreiche man mit den Appellen nicht alle Jugendlichen und Eltern. KOMMENTAR
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