Viersen: Verbundenheit bleibt
VON INGRID FLOCKEN - zuletzt aktualisiert: 23.08.2010Viersen (RPO). Auch wenn die Eigentümerfamilie Haub beschlossen hat, die Zentrale der Firma Kaiser's-Tengelmann nach Mülheim zu verlegen, will das Traditionsunternehmen der Kreisstadt treu bleiben. Fürs Hochhaus wird neue Nutzung gesucht.
In der jüngsten Ausgabe der Seniorenzeitschrift "Viersen 55plus; Miteinander – Füreinander" schreibt Erika Zachau: "Wenn nun im Jahre 2010 die Verwaltung der heutigen Kaiser's-Tengelmann AG nach Mülheim verlagert wird und die Lichter der Lachenden Kaffeekanne endgültig verlöschen, hat auch das letzte große Familienunternehmen seine Verbundenheit mit der Stadt Viersen und den ehemaligen 'Kaiserlichen' endgültig aufgekündigt." Das wollte die Rheinische Post doch einmal genauer wissen, denn die "Lachende Kaffeekanne" leuchtet schon einige Zeit nicht mehr vom Verwaltungshochhaus.
Bekenntnis zum Standort
Die RP fragte in Mülheim an der Ruhr nach und erhielt von Raimund Luig, dem Geschäftsführer Vertrieb und Sprecher der Gesamtgeschäftsführung, einige recht positive Auskünfte über die Zukunft von "Kaiser's" in Viersen. Nachdem das Hochhaus leer geräumt ist und viele der Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz jetzt in Mülheim haben, sind noch drei große Abteilungen in Viersen ansässig: die vollständige Logistik, die für die Belieferung der rund 200 Filialen in Nordrhein-Westfalen zuständig ist (rund 130 Mitarbeiter), das Fleischwerk, eine 100-prozentige Tochter von Kaiser's-Tengelmann (120 Mitarbeiter) und die Regionsleitung NRW mit Außendienst, Bau- und Einrichtung- sowie Expansionsabteilung mit rund 40 Mitarbeitern.
Aus der Geschichte
Marktlücke 1880 stieg Josef Kaiser ins elterliche Kolonialwarengeschäft ein. Er entdeckte wenig später eine Marktlücke: die Kaffeerösterei. Bis dahin wurden Kaffeebohnen meist zu Hause geröstet.
Filialen 1885 gründete Kaiser das erste Kaffeegeschäft in Duisburg. Mehr als 1900 Filialen wurden bis 1939 eröffnet, 1952 der erste Selbstbedienungsladen.
Zusammenschluss 1971 wurde Kaiser's mit der Tengelmann-Gruppe zusammengeschlossen. Der Firmensitz blieb Viersen.
Und nun die erste gute Nachricht: Alle diese Abteilungen sollen auf Dauer in Viersen bleiben. "Warum sollten sie auch nicht? Wir müssten in Mülheim zum Beispiel das Fleischwerk von Grund auf neu aufbauen", beteuert Luig. Die zweite gute Nachricht schiebt er gleich nach: "Es sind bisher nur einzelne Mitarbeiter umgezogen, die sowieso nicht aus Viersen stammen. Die Viersener unter uns wollen gar nicht aus ihrer Heimatstadt wegziehen. Sie fahren lieber täglich rund eine Stunde nach Mülheim."
Auch Bernd Ahlers, früher Vorstandschef von Kaiser's-Tengelmann, heute Personalchef der Tengelmann-Holding und in Viersen als "Rintger Buur" bekannt, zieht es nicht weg. Er lebt weiterhin in Süchteln und pendelt zwischen Niers und Ruhr.
Als Sponsor will Kaiser's-Tengelmann weiterhin in Viersen auftreten. "Wir werden uns nicht total zurückziehen, sondern von Fall zu Fall entscheiden. So war es beim Seifenkistenrennen und so ist es jetzt beim Gelderntag", erklärt Raimund Luig.
Was aus dem im Stadtbild markanten Hochhaus wird, ist in der Konzernzentrale an der Ruhr derzeit noch nicht klar. Möglicherweise wird es verkauft. "Die Kaffeekanne musste schon deshalb verschwinden. Vielleicht tritt an ihre Stelle mal eine andere Werbefigur eines künftigen Eigentümers", meint Luig. "Die Kaffeekanne, die über dem Eingang hing, hat ihren neuen Platz hier in Mülheim erhalten."
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