Schwalmtal: Verdächtiger schweigt zu Vorwürfen
zuletzt aktualisiert: 19.08.2009 - 14:23Schwalmtal (RPO). Am Tag nach der Bluttat von Schwalmtal mit drei Toten sind erste Details über die Identität der Todesopfer sowie der Verletzten bekannt. Bei zwei Toten handelt es sich um Anwälte. Der dritte Tote war als Gutachter vor Ort. Der mutmaßliche Täter ist ein Rentner (71) aus Unna. In einer ersten Vernehmung wollte er sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Bei dem Schwerverletzten handelt es sich um einen Ratsherrn aus Mönchengladbach, wie unsere Redaktion erfuhr. "Es geht mir gut", sagt er.
Was war passiert: Einen Tag nach der Tat ergibt sich ein genaueres Bild des Hergangs des Familiendramas. Es scheint festzustehen, dass für den Nachmittag ein Termin im Haus der Familie K. angesetzt gewesen war, an dem der Wert des Hauses für eine Zwangsversteigerung geschätzt werden sollte.
Hintergrund: ein offenbar schon lange andauernder und erbittert geführter Familienstreit. Beteiligt daran sind Barbara K. und ihr Ex-Mann Hubert K. Auch Barbara K.s Vater Heinz P., (71) ist vor Ort. Der Mann soll schon mehrfach durch Gewalttaten aufgefallen sein. Deswegen ist sein Schwiegersohn Hubert K. auch nicht persönlich erschienen. Er lässt sich durch seinen Anwalt vertreten. Außerdem im Haus: zwei Gutachter vom Kreis Viersen und ein weiterer Rechtsanwalt. Am späten Nachmittag fallen die Schüsse.
Die Opfer: Zwei Anwälte werden Opfer der Amoktat. Einer stammt nach Informationen unserer Redaktion aus Viersen, der andere aus Nettetal. Der dritte Tote war Gutachter des Kreises Viersen. Sein Kollege kommt mit dem Leben davon. Der Schwerverletzte ist der Mönchengladbacher Ratsherr Bernd Püllen (50). Er kandidiert bei der Kommunalwahl kommende Woche erneut für die Freie Wählergemeinschaft. Er erlitt einen Bauch- und einen Gesichtsschuss.
Püllens Verletzungen sind nicht lebensbedrohlich. Er wurde noch nicht operiert und wird heute aus einem Viersener Krankenhaus nach Mönchengladbach verlegt. Er ist ansprechbar und sagt von sich: "Es geht mir gut." Offenbar ist er bei der Schießerei eine Treppe heruntergestürzt. Püllen ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP konnten zwei weitere Personen, darunter die Tochter des mutmaßlichen Todesschützen, unverletzt aus dem Haus geführt werden. Eine offizielle Bestätigung über die Identität der Opfer steht noch aus.
Der Täter: Der mutmaßliche Täter, bei dem es sich, wie unsere Redaktion aus zuverlässiger Quelle erfuhr, um den 71-jährigen Heinz P. aus Unna handeln soll, hat sich nach stundenlanger Belagerung durch die Polizei gegen 19.30 Uhr ergeben. Er verließ das Haus mit erhobenen Händen – ebenfalls unverletzt. Er soll ein Gewehr benutzt haben. "Das war glatter Mord", wird sein Schwiegersohn Hubert K. später sagen, als er mit seinem Sohn Christof (18) vor dem rot-weißen Flatterband steht, das den Zugang zum Tatort im Schwalmtaler Ortsteil Amern versperrt.
Wie inzwischen die Nachrichtenagentur ddp meldet, spricht nun auch die Polizei von einem 71-Jährigen als Tatverdächtigem. Bis zum Mittwoch Vormittag wollten die Ermittler keine Angaben über die Beteiligten und Tathergang machen. In einer ersten Vernehmung soll der festgenommene Heinz P. alle Vorwürfe zurückgewiesen haben. Jetzt müsse ihm die Tat anhand der gesicherten Spuren nachgewiesen werden, sagt die Polizei.
Schrecklichen Szenen am Nachmittag: Am späten Nachmittag müssen sich in dem freistehenden Einfamilienhaus von K.s Ex-Frau Barbara (44), aus dem K. vor einigen Jahren ausgezogen ist, schreckliche Szenen abgespielt haben. Die Leiche eines der Opfer liegt stundenlang vor dem Haus. Beamte des Sondereinsatzkommandos (SEK) untersuchen den Körper und lassen ihn vor dem Haus liegen, als sie feststellen, dass die Person tot ist.
Offene Fragen: Hubert K. vermutet, dass der Mann irrtümlich erschossen wurde. "Ich glaube, dass der Anschlag mir gegolten hat", sagt K. Und dann erzählt er eine Geschichte, die ahnen lässt, dass die Bluttat am Ende einer langen Familienfehde steht. Im Haus der K.s soll es nach der Darstellung des Ex-Mannes immer wieder zu Auseinandersetzungen gekommen sein. Der Vater von Barbara K., Zimmermann von Beruf, soll demnach mehrfach tätlich geworden sein und einmal sogar die Schwester K.s mit einem Baseball-Schläger verletzt haben.
Auch was mit K.s Ehefrau Barbara geschehen ist, ist unklar. Es scheint so zu sein, dass sie um 17.30 Uhr noch am Leben war – eine Stunde, nachdem die ersten Schüsse abgegeben worden waren. Zu diesem Zeitpunkt hatte ein Freund von Barbara K. einen Anruf der Frau erhalten. "Sie war völlig aufgelöst, berichtete nur von Toten und Schüssen, dass ich sie rausholen soll", sagt Hans-Peter Rogge (47), der nach eigenen Angaben seit Jahren mit Barbara K. befreundet ist.
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