Viersen: Vergewaltiger musste gleich in die Zelle
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 15.07.2008Viersen (RPO). Diesmal kam der Angeklagte nicht mehr mit einer Bewährungsstrafe davon: Nach zwei Prozesstagen verurteilte das Schöffengericht jetzt einen 22-Jährigen wegen Vergewaltigung zu einer Haftstrafe von drei Jahren. Bereits vor zwei Jahren war der Angeklagte aufgefallen, als er sich an der Partnerin vergriff. Eine einjährige Freiheitsstrafe mit Bewährung war damals die strafrechtliche Quittung gewesen.
Auch diesmal hatte sich die inzwischen 27-jährige, allein erziehende Mutter eines kleinen Jungen, nicht gegen die Attacken des Freundes wehren können. Für die Frau war die Beziehung mit dem jüngeren Mann eigentlich beendet. Trotzdem war es dem Angeklagten offenbar immer wieder gelungen, neue Kontakte mit der Ex-Freundin zu knüpfen. Manchmal rief sie die Polizei, wenn der Mann mal wieder vor ihrer Tür stand. Doch am 4. Oktober vorigen Jahres hatte er es geschafft, die Frau mit zwei anderen Gästen in seine Wohnung zu locken. Im Schlafzimmer, hinter der verschlossenen Tür, soll der Angeklagte über die Frau hergefallen sein.
Derart hat das Opfer den Angeklagten, der das Verbrechen bestreitet, im Gerichtssaal belastet. Eine lautstarke Auseinandersetzung der beiden bekamen die Gäste mit, die Vergewaltigung selbst nicht. Der Mann habe sie auf das Bett geschubst, ihr ein Kissen auf das Gesicht gedrückt und ihr die Finger an den Hals gehalten, so die 27-Jährige in ihrer Aussage. „Wenn dich ein anderer haben kann, will ich das auch“, habe der Angeklagte sinngemäß gefordert. „Als er mich ins Gesicht schlug und drohte, sich an meinem Sohn zu vergreifen, habe ich alles über mich ergehen lassen“, erklärte das sichtlich eingeschüchterte Opfer in der Verhandlung.
Der Angeklagte bestritt diese Aussage: „Nach unserem Krach ist sie bald gegangen. Es ist nichts vorgefallen“. Doch das Opfer hatte sowohl die Staatsanwältin als auch das Gericht mit einer detaillierten Aussage überzeugt. Außerdem hatten Freunde der 27-Jährigen am nächsten Tag auf einer Fahrt nach Berlin Verletzungsspuren in deren Gesicht bemerkt. „Sie hatte eine aufgesprungene dicke Lippe und machte einen völlig verstörten Eindruck“, hatten sich die Freunde in ihrer Zeugenaussage erinnert.
Statt eines Freispruchs, wie vom Verteidiger gefordert, gab es am Ende für den gewalttätigen Liebhaber drei Jahre Haft. Außerdem musste der 22-Jährige sofort den Gang in die Gefängniszelle antreten.
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