Viersen: Vierscher trecke an eene Strang
VON JECKEN FLÖCKCHE - zuletzt aktualisiert: 20.02.2012Viersen (RP). Der Viersener Tulpensonntagszug startete bei Sonne und zog weiter im Schnee. Doch die Karnevalisten feierten fröhlich den Höhepunkt ihrer Session.
Drei Schüsse aus der Kanone, gut bewacht von den "Wagenengeln" Frank Schiffers und Uli Dahm in gelben Warnwesten – so wie es die Obrigkeit befohlen hatte –, und Zugleiter Elmar Orta gab den Start frei für den Tulpensonntagszug. Er strahlte mit der Sonne um die Wette, konnte sein Glück nicht fassen.
Schon zu Beginn bejubelten Hunderte von oft fantasievoll kostümierten großen und kleinen Zuschauern am Straßenrand und von den Balkonen herab die Wagen, die liebevoll ausstaffierten Fußgruppen und nicht zuletzt die Musiker, die mit Schwung, Fahnen schwenkend und fröhlich zum Mitsingen und Schunkeln aufforderten.
Mozartknaben und Waldräuber, Clowns und Putzteufel tanzten auf der Straße, die Trappfamilie des Fidelen Kränzchens fuhr ihr wunderschönes Bühnenbild noch einmal spazieren. Immer wieder scholl "Viersche Helau" von den Wagen zum Straßenrand und zurück, und auch die Schlachtrufe der Karnevalsgesellschaften fanden ihr Echo.
Beifall für Weihnachtsmänner
Weihnachtsmänner im Karneval waren gewöhnungsbedürftig, aber erhielten von den am Rand Stehenden genauso Beifall wie die "teuflisch guten" Frauen der Blau-Wette oder die Amerner Kühe, die darum baten, dass man doch bitte "Chicken" essen sollte. Mit der ärmlichen Truppe "Hartz 4sen" hatten die Zuschauer Mitleid, die Rintger Karnevalisten, die schon am Nachmittag durch die Südstadt gezogen waren, wurden herzlich willkommen geheißen. Mit den beiden dicken Kaltblütern, die Ruhe ausstrahlten, freundeten sich vor allem die Kinder an.
Dann schlug plötzlich die Stimmung um: Der Himmel hatte sich unversehens verdunkelt, und aus einer dicken schwarzen Wolke kam ein Graupelschauer, dann wieder einer, und schließlich schneite es intensiv und es wurde immer kälter. Überall Regenschirme, und die ersten Zuschauer suchten das Weite.
Dabei war der Zug gerade mal eine halbe Stunde alt, viele tolle Fußgruppen folgten noch. Sie hatten sich auch beschirmt, und auf den großen Prunk- und Mottowagen drängten sich die Besatzungen unter den Dächern zusammen. Die Viersener Gesellschaften und das Kinderprinzenpaar Sebastian I. und Maike I. grüßten von ihren Höhen lautstark das Viersener Prinzenpaar Rainer I. und Silke II., die auf ihrem Wagen stehend den Zug an sich vorüberziehen ließen.
Unter großem Jubel reihten sie sich mit den Vertretern von Festausschuss und Garde zum Schluss in den Zug ein, nachdem auch die geduldig wartenden Pferde der Reitergarde sich in Bewegung setzen durften. Es war wieder ein wunderbarer Lindwurm, der sich durch Alt-Viersen schlängelte. Und die abgehärteten Karnevalisten focht auch das miese Wetter nicht an – sie feierten getreu ihrem Motto "Wörr trecke all an eene Strang", gut beschützt von ihren gelben Engeln.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



