Viersen: Viersen feiert Geldern
VON INGRID FLOCKEN - zuletzt aktualisiert: 06.09.2010Viersen (RPO). Am gestrigen Sonntag trafen sich Menschen aus dem Gebiet zwischen Emmerich und Erkelenz sowie Geldern und Limburg zum 16. Gelderntag in der Kreisstadt. Kunst und Kultur war das Motto.
"Kein noch so guter Film kann die Wirklichkeit ersetzen" – so endet Herbert Boox' erstmals gezeigter Film über Viersen – und rund 300 Menschen, die zur Eröffnung des 16. Gelderntages in die Festhalle gekommen waren, freuten sich auf diese Wirklichkeit. Mitglieder des Viersener Heimatvereins, der in diesem Jahr den Gelderntag für die Region rechts und links der Maas ausrichtete, hatten die Tische liebevoll gedeckt, an denen die Gäste saßen und aufmerksam den Grußworten lauschten. Das erste kam von Britta Koopen, der Tochter des Heimatvereins-Kassierers Georg Neuefeind.
Niederländisch pflegen
Sie begrüßte die niederländischen Gäste in ihrer Heimatsprache, dann lud Heimatvereinsvorsitzender Dr. Albert Pauly ein, "den Spuren der gemeinsamen Vergangenheit nachzugehen, Gedanken auszutauschen, gemeinsame Interessen zu besprechen". Diesen Aspekt stellte auch Bürgermeister Günter Thönnessen heraus, der zwar stolz auf "meine Stadt Viersen" ist, aber dennoch meinte, Deutsche und Niederländer müssten "noch viel enger zusammenrücken. Wir sollten auch das Niederländisch intensiver pflegen." Er dankte dem Heimatverein: "Sie haben noch einmal einen Schritt in Richtung Europa gemacht und den heutigen Tag unterlegt mit Kunst, Kultur, Industrie- und Baugeschichte, aber auch viel Freude."
Zum zweiten Mal
Erinnerung Der Gelderntag wird seit 1970 alle zwei bis drei Jahre begangen. Viersen richtete ihn erst zum zweiten Mal aus. Der Gelderntag soll an die Gemeinsamkeiten im früheren Herzogtum Geldern erinnern. Erstmals fand die Veranstaltung 1992 in Viersen statt. Zuletzt wurde der Gelderntag 2007 in Nijmwegen, davor 2005 in Venlo gefeiert.
In Weert Zum 17. Gelderntag im Jahre 2013 lud Limburgs Geschied- en Oudheidkundig Genootschap nach Weert/Niederlande ein.
Dann führte Walter Tillmann zwischen originalen alten Gerätschaften der Spinner und Weber auf der Bühne in die "niederrheinländische" Textilindustrie ein. "Das Gebiet an Maas, Schwalm, Nette und Niers war und ist ein Wirtschaftsraum" und so übersetzte er die bekannten Sprüche jedes Mal ins Niederländische. Gewinnung und Verarbeitung des Flachs-Leinen ist das Metier des inzwischen über 80-jährigen Textil-Ingenieurs, der vom Chor 49 unterstützt wurde: "Viersen, du alte Weberstadt" sangen die Damen unter Leitung von Gerd Philips die Hymne der ehemaligen Textilstadt.
Nach "Bütterkes" und "Broadjes" teilte Pauly die Gäste in zwei Gruppen. Die Viersener Pfadfinder Christoph und Tobias führten sie in Ulf Schröders "Bauhaus" an der Burgstraße und ins Stadtbad. Dort meldete Mathias Nitsche: "Wir haben 120 Stühle gestellt, und die sind alle besetzt!" Die Gäste mussten sich blaue Plastik-Puschen anziehen, denn im Bad sind keine Straßenschuhe erlaubt. Dann intonierte die Band "Schäng Blasius Flönz Rakete" den Gelderner Festmarsch, anschließend sangen sie auf Platt und in Kölsch zur Freude der Zuhörer auf ihrer wackeligen, schwimmenden Insel.
Frank Kindervatter, Chef der Niederrheinwerke, erläuterte die Geschichte des Jugendstil-Bades, dann ergriff Prof. Wilhelm Schepping das Wort – das ihm nach langen Minuten Willi Korn vom Heimatverein mit Hinweis auf die Uhr abschnitt. Herzlicher Beifall war sein Lohn, denn alle wollten schließlich Musik hören.
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