Viersen: Viersen gegen die Arcaden
VON JOACHIM NIESSEN - zuletzt aktualisiert: 21.12.2011Viersen (RP). Die Politik rüstet gegen das neue Einkaufszentrum in Mönchengladbach. Vor allem im Textilbereich befürchtet der Viersener Einzelhandel massive Einbußen. Die Verwaltung prüft rechtliche Schritte gegen die Nachbarstadt.
Viersens Politik will die Veränderungen im Mönchengladbacher Einzelhandel durch die geplanten Arcaden nicht klaglos hinnehmen. Eine Zustimmung aus der Kreisstadt zu den dortigen Flächennutzungs- und Bebauungsplänen wird es nicht geben. Im Gegenteil: Einstimmig beauftragte die Viersener Politik die Verwaltung, die Möglichkeit rechtlicher Schritte zu prüfen, um den Bau der Arcaden zu verhindern, zumindest aber, deren Größe zu reduzieren.
Zweifel an den Ergebnissen
Fakt ist, dass das von der Stadt Viersen beauftragte Dortmunder Stadtforschungs- und Planungsbüro Junker und Kruse Fehler in dem Mönchengladbacher Verträglichkeitsgutachten festgestellt hat. Rund 26 000 Quadratmeter Verkaufsfläche soll das neue Shopping-Center an der Hindenburgstraße umfassen. Allein im Bereich der Bekleidung erwartet der Projektträger MFI – so die Aussage von Junker und Kruse – einen Umsatzzuwachs von jährlich 45 Millionen Euro.
Verkaufsfläche
Baubeginn Der Baubeginn soll Anfang 2012 sein. Dann sollen die Theatergalerie und das alte Stadttheater abgerissen werden.
Eröffnung Die Eröffnung ist für 2014 vorgesehen.
Umsatz Mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz soll in den Arcaden auf rund 26 000 Quadratmeter Fläche erzielt werden.
Vergleich Zum Vergleich: Die gesamte Verkaufsfläche in der Innenstadt von Alt-Viersen beträgt 28 173 Quadratmeter.
Zum Vergleich: In der kompletten Stadt Viersen beträgt der Jahresumsatz in diesem Segment nur 36 Millionen Euro. "Gerade im Bereich Bekleidung haben wir ganz starke Zweifel an den vorgelegten Ergebnissen der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung", so Stefan Kruse in einer gemeinsamen Sitzung der beiden Viersener Ausschüsse für Stadtentwicklung und -planung sowie für Wirtschaftsförderung.
Gerade der geplante Branchenmix in den nur sieben Kilometer von der Viersener Innenstadt entfernten Arcaden könnte Auswirkungen auf die Geschäfte in der Kreisstadt haben, die über den juristisch relevanten Schwellenwerten liegen.
Auf gravierende Defizite bei der Zonen-Einteilung des Gladbacher Gutachtens bezüglich der Auswirkungen auf die Nachbarstädte wies auch der Viersener Unternehmer Dr. Winfried Tackenberg hin: "So hat die Stadt Mönchengladbach entfernte eigene Stadtteile einer Zone I zugeschlagen, in der erhebliche negative Auswirkungen durch das neue Einkaufszentrum zu erwarten sind.
Viersen, das wesentlich näher an den Arcaden liegt und die per ÖPNV von hier aus wesentlich besser zu erreichen sind, steckte man einfach in die Zone 2, zusammen mit Erkelenz und Wegberg." Parallel wirft Tackenberg dem Projektentwickler MFI "massive Trickserei" vor. So sei der Anteil der Gastronomiefläche mit zehn Prozent völlig überdimensioniert.
Die Folge: Der zu erwartende Leerstand werde noch vor der Eröffnung mit weiteren 1600 Quadratmetern Einzelhandel aufgefüllt. Außerdem schaffe MFI – laut Tackenberg – bereits heute Rahmenbedingungen, um durch den Einzug von Zwischendecken die Arcaden um weitere 3500 Quadratmeter zu vergrößern.
Der Viersener Unternehmer empfahl der Politik eindringlich eine Zustimmung zum Einspruch und zur Klage. Bevor das jedoch der Fall sein wird, wollen Vertreter der Viersener Verwaltung noch einmal mit den Gladbacher Kollegen sprachen. "Wir sollten auf jeden Fall versuchen, eine Schwächung des Centers zu erreichen. Ob wir es verhindern können, ist eine Frage, die von einem Gericht entschieden werden muss", so CDU-Parteivorsitzender Paul Mackes.
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