Viersen: Vom Kügelchen zur Oberfläche
VON NATASCHA BECKER - zuletzt aktualisiert: 09.09.2008Viersen (RPO). Zum textilen Kunsterlebnis hatte jetzt „Die Scheune“ in Hinsbeck eingeladen. Unter dem Titel „Vor-Tragen und Be-Greifen“ führte die Lobbericher Textilkünstlerin Christine Wingels an Kunst heran.
Hinsbeck „Während ich Ihnen etwas erzähle, dürfen Sie arbeiten“, sagt Christine Wingels schmunzelnd und greift in ein Kistchen mit grüner, blauer und türkisfarbener Filzwolle. Von den Fasern zupft sie Stücke ab und reicht sie an die drei Frauen, die vor ihr im Hinsbecker Textilmuseum stehen. „Daraus drehen Sie eine Kugel. Wenn sie fertig ist, dürfen Sie wieder ins Wollkästchen greifen und die nächste drehen. Wir brauchen viele“, macht Wingels auf den weiteren Verlauf ihres textilen Kunsterlebnisses neugierig.
Marie-Luise Schmitz, Karin Bergmann und Ille Jahnke-Lowis beginnen mit dem Drehen. Gleichzeitig startet die Lobbericher Textilkünstlerin mit den Informationen zu ihren Arbeiten, die derzeit noch in der Scheune als Ausstellung zu sehen sind.
Bis Ende Oktober
Ausstellung Die Ausstellung „Touchable´s“ von Christine Wingels zeigt textile Objekte und Gewänder.
Termin Die Ausstellung in der Scheune ist noch bis zum 26. Oktober zu sehen.
Ort Textilmuseum „Die Scheune“, Krickenbecker Allee 21, Hinsbeck-Hombergen.
Wingels, die Grafik-Design studierte, beschäftigt sich seit 1990 mit der Textilkunst, wobei der Bereich Bekleidung, textile Objekte und Paramentik ihre drei Steckenpferde sind. Die Schneiderpuppen mit den Jacken und Kimonos aus Seide sind ein erster Anlaufort. Als Wingels berichtet, dass sie die Seidenstoffe mit dem Pinsel färbt, erntet sie ungläubige Blicke. Das Drehen der Kügelchen ist für einen Augenblick vergessen. Alle drei Frauen begutachten einen Kimono in Blautönen und befühlen neugierig den Stoff.
Das gleiche Prinzip gelte auch für Wolle, betont Wingels und holt aus einer der Vitrinen einen großen Wollschal heraus. „Werden die Tücher vorher angefeuchtet?“, möchte Schmitz wissen. Wingels schüttelt den Kopf. „Nein, das stoppt den Farbfluss. Ich trage alles mit dem Pinsel von Hand auf“, betont die Lobbericherin. Mittlerweile haben sich weitere Neugierige zu der Runde gesellt. Doch einfach nur den Ausführungen zu den textilen Objekten mit den vielen verschiedenen Material– es finden sich unter anderen Stahlwolle, Silikon, Leinwand und sogar Latexhandschuhe wieder – zuhören, ist nicht. Auch sie müssen Filzkügelchen drehen.
Was es mit denen auf sich hat, wird zum Abschluss der Veranstaltung klar. Alle Kügelchen ergeben zusammen ein neues Kunstobjekt mit einer besonderen Oberfläche. Dass man auch mit ungewöhnlichen Materialien neue Oberflächen schaffen kann, lernen die Teilnehmer ebenfalls. Auf ein Drahtgeflecht samt Aufhängevorrichtung geben sie mit Hilfe einer Silikonspritze schwarzes Silikon auf den Draht. Das formt sich zu einer seltsamen Oberflächenstruktur, die besonders im Licht ihre eigenen Reize entfaltet. Das Staunen bei allen ist groß und auf einmal verstehen auch alle den etwas ungewöhnlichen Titel des Kunsterlebnisses. „Vor-Tragen“ und „Be-Greifen“.
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