Viersen: VW-Hölter baut nicht neu
VON LUDGER PETERS - zuletzt aktualisiert: 25.02.2009Viersen (RPO). Seit Monaten schwelt ein arbeitsrechtlicher Konflikt zwischen dem Hölter-Betriebsrat und der Geschäftsführung. Firmenchef Axel Clemens erwägt nun den Kauf der Immobilie von BMW Berten an der Viersener Straße in Dülken.
Nettetal/Viersen Axel Clemens hat den Plan aufgegeben, ein neues Autohaus für die Josef Hölter GmbH & Co. KG an der Viersener Straße in Dülken zu bauen. Dort residiert er bereits mit dem Audi-Autohaus. Ursprünglich wollte er dort auch eine VW-Niederlassung neu errichten. Möglicherweise erwirbt er stattdessen das Gebäude der BMW- Niederlassung der Schaager Firma Berten nebenan. Ein Vertragsentwurf für den Kauf liegt Clemens vor. Dort brächte er dann seine VW-Niederlassung unter.
Clemens hat das Firmengelände rechts und links der Johannes-Cleven-Straße in Lobberich der Firma ten Brinke verkauft. Sie dort will in enger Abstimmung mit der Stadt Nettetal ein Einkaufszentrum errichten. Für ein projiziertes Gebäude gibt es einen Mietvertrag mit der Firma Kaufland aus der Lidl & Schwarz-Gruppe. Der Rest wird weiter entwickelt, außerdem will das Textilunternehmen longlife (Teppichböden) die Niederlassung nebenan aufgeben und sich in Lobberich neu orientieren.
Konzern diktiert
Trennung Mitte der 1990er-Jahre wurden Autohändler von der Konzernzentrale in Wolfsburg aufgefordert, Audi und VW als Betriebe klar voneinander zu trennen.
Kreisstadt Die Firma Josef Hölter baute daraufhin in Dülken an der Viersener Straße eine Audi-Niederlassung, zumal gefordert wurde, das Unternehmen in die Kreisstadt zu verlegen. Versuche der Stadt Nettetal, VW zu halten, liefen ins Leere.
Kein Vertrauen mehr
Erste Gerüchte, Clemens werde womöglich nicht neu bauen, kursierten bereits im Dezember. Die Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf den Automobilmarkt sind jedoch nicht der Hauptgrund, warum Clemens auf den Neubau verzichtet. Er habe kein Vertrauen mehr in die eigene Belegschaft. Seit Monaten ziehe sich ein Konflikt durch das Unternehmen, der sich am Tarifabschluss im vergangenen Sommer entzündete.
Nach Clemens' Angaben weigerte sich die IG Metall seinerzeit, den für NRW ausgehandelten Tarifvertrag zu unterzeichnen. Danach habe die Gewerkschaft in einzelnen Betrieben Haustarifverträge verlangt. Dies habe sich auch der Betriebsrat in seinem Unternehmen zueigen gemacht, sagt Clemens. "Ich will das nicht, denn dann würden wir alle zwei Jahre eigene Tarifverhandlungen führen. So kann man nicht arbeiten. Ich bin einverstanden mit den Vereinbarungen der Tarifpartner auf Landesebene, auch wenn Unternehmen damit nicht immer gut fahren."
Inzwischen haben sich die Fronten verhärtet. Es gibt gerichtliche Auseinandersetzungen. Über Einzelheiten mag Clemens sich nicht äußern, weil das Verfahren in der Schwebe sei. Ihm fehle das Vertrauen, 6,5 Millionen Euro in den Neubau in Viersen zu investieren, während der Betriebsrat schwerste Geschütze gegen ihn auffahre. "Das Risiko ist mir schlicht zu groß", sagt Clemens.
Er sieht zwei Auswege, für VW in Viersen Niederlassungen zu unterhalten. Entweder er zieht um in die bestehende VW-Niederlassung an der Freiheitsstraße ("Da ist genug Platz, um aufzunehmen, was ich dorthin mitnehmen müsste"). Oder er übernimmt die Berten-Immobilie und zieht mit VW dort ein. Über eine dritte Option mag er im Augenblick nicht reden. Da ginge es um die Zukunft des gesamten Unternehmens.
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