Viersen: Wärme aus Schnitzeln
VON LAURA SCHAMEITAT - zuletzt aktualisiert: 24.11.2011Viersen (RP). Die Stadt Viersen betreibt zur Zeit vier so genannte Holzhackschnitzelheizungen. Der Rohstoff für die Wärmeerzeugung kommt aus der städtischen Kompostieranlage.
Viele Leute, die das Wort Hackschnitzel zum ersten Mal hören, denken automatisch an eine Frittenbude. Stefan Heines vom Gebäudemanagement der Stadtverwaltung Viersen verbindet mit diesem Wort aber vor allem eines: Kostenersparnis.
Denn Hackschnitzel sind nicht etwa aus Fleisch, sondern aus Holz und damit ungenießbar. Und erhitzt werden die Schnitzel nicht in der Pfanne, sondern in einem riesigen Kessel.
Zum Beispiel in dem im Keller der Brüder-Grimm-Grundschule in Süchteln. Bevor sie darin landen, werden sie aber zunächst von der Kompostierungsanlage der Stadt mit einem Lastwagen zum Holzhackschnitzel-Bunker der Schule gefahren.
Private Anwendung
"Die Holzhackschnitzelheizung ist meiner Meinung nach für den Privathaushalt nicht gut geeignet", sagt Stefan Heines.
Denn wer sich für diese Art der Wärmeerzeugung entscheidet, braucht vor allem eines: viel Platz für einen Bunker, in dem die Schnitzel trocken lagern können. Zudem sind die Anschaffungskosten relativ hoch und die Investition rentiert sich nur bei hoher Heizleistung.
"Die Hackschnitzel bestehen zum größten Teil aus Grünrückschnitt der Stadt. Das heißt, wir verwerten hier unseren eigenen Abfall", sagt Heines. Im Herbst kommt der Lkw alle drei Wochen. In einem kalten Winter muss einmal die Woche aufgefüllt werden.
Geld kommt vom Land
Vom Bunker aus werden die Holzhackschnitzel über eine Förderschnecke in den Kessel transportiert und verbrannt. Der Feinstaub, der dabei entsteht, wird durch einen sogenannten Zyklonabschneider rausgefiltert. Die Asche landet in einer großen Metalltonne, die alle zwei bis drei Wochen von Schulhausmeister Dirk Flüggen entleert wird.
Der Inhalt landet wieder auf der Kompostierungsanlage der Stadt. So schließt sich der Kreislauf. "Die Verbrennung hier ist nahezu hundertprozentig CO2-neutral", so Heines. Das liegt daran, dass die Bäume, deren Holz hier verwertet wird, vorher soviel CO2 aufgenommen haben, wie bei der Verbrennung freigesetzt wird. Insgesamt spart diese Art der Heizung rund 170 Tonnen CO2 pro Jahr gegenüber einer Gasheizung.
Weitere Anlagen
220 000 Euro hat die Stadt in die Anlage der Brüder-Grimm-Schule investiert. Zum Vergleich: eine Gasanlage hätte nur rund 50 000 Euro gekostet – also knapp ein Viertel. "Das werden wir aber nach spätestens zehn Jahren wieder raushaben", sagt Heines.
Um die Wärme aus der Hackschnitzelheizung optimal zu nutzen, hat die Stadt zusätzlich in die Wärmedämmung der Schule investiert. "Die Mittel stammen fast komplett aus dem Investitionspakt zur energetischen Sanierung der Landesregierung", sagt Heines.
Neben der Brüder-Grimm-Schule gibt es in drei weiteren Viersener Gebäuden Holzhackschnitzelheizungen: im Technischen Rathaus Bahnhofstraße, im Bauhof und in der Grundschule Dammstraße. "Das werden auch vorerst die einzigen Anlagen bleiben, denn für mehr reicht unser Grünrückschnitt nicht aus", sagt Heines.
So ganz verlässt sich die Stadt übrigens noch nicht auf die neue Art der Wärmeerzeugung: Im Keller der Grundschule hängt auch eine normale Gasheizung, die sich im Störfall automatisch einschaltet und die Hackschnitzelheizung ersetzt.
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