Schwalmtal: Was wollen die Häuslebauer?
VON BIRGITTA RONGE - zuletzt aktualisiert: 02.12.2011Schwalmtal (RP). Im Planungsausschuss stellte Tafil Pufja von den Niederrheinwerken der Schwalmtaler Politik Möglichkeiten der Energieversorgung für das neue Baugebiet "Zum Burghof" vor. Eine klare Linie aber gibt es nicht.
Ein Brennwertkessel mit solarer Unterstützung, eine Gas-Wärmepumpe, eine Elektro-Wärmepumpe, eine Holzpelletsanlage oder eine Micro-Kraft-Wärme-Kopplungsanlage (KWK) – und dann jeder Haushalt für sich oder doch alle angebunden an ein Nahwärmenetz – die Schwalmtaler Politik musste sich in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses mit vielen Vorschlägen und vielen Zahlen plagen.
Die unterschiedlichen Möglichkeiten, die Grundstücke im neuen Baugebiet "Zum Burghof" entlang der Lüttelforster Straße künftig mit Wärme versorgen zu können, hatte Tafil Pufja vorgestellt. Zum zweiten Mal war der Prokurist der Niederrheinwerke Schwalm-Nette in den Ausschuss gekommen, um ein Energiekonzept vorzustellen, an das die Politik viele Hoffnungen geknüpft hatte: Es sollte möglichst ökologisch und zukunftsweisend sein – und nicht zu teuer, um Kaufinteressenten nicht zu vergraulen.
Baugebiet
Für das Baugebiet sind 53 Grundstücke von 400 bis 500 Quadratmeter Größe vorgesehen. Einzel- und Doppelhäuser sowie zweigeschossiger Wohnungsbau sind möglich, ähnlich wie am Haversloerhof sind die Bauherren in der Gestaltung recht frei. Mehr Infos unter www.schwalmtal.de.
"Vielfalt hat Priorität"
Pufja versuchte, für ein Nahwärmenetz zu werben, bei dem die Bauherren Contracting-Verträge mit den Niederrheinwerken abschließen und damit von Investitionen nach rund 20 Jahren, nach denen üblicherweise eine alte Heizanlage ausgetauscht werden muss, befreit sind – ein "Rundum-Sorglos-Paket", wie es Pufja nannte. "Auch mit einem 50-prozentigen Nahwärmenetz hätten wir Bauchschmerzen", bekannte CDU-Fraktionschef Thomas Paschmanns allerdings. Für seine Fraktion habe die Vielfalt Priorität, "und wenn wir einen Anschlusszwang an das Nahwärmenetz festlegen würden, hätte das sicher auch Einfluss auf die Verkaufbarkeit der Grundstücke".
Für die Grünen beklagte Jürgen Heinen mangelnde Kreativität: Vor dem Hintergrund der weltweiten Diskussion um CO2-Einsparungen seien die Vorschläge nun "nicht nachvollziehbar". Hermann-Josef Welters (SPD) schlug vor, für einen Teil der Grundstücke ein Nahwärmenetz anzubieten und dies zu erweitern, wenn andere Bauherren das wünschten – doch dagegen sprach Bernd Gather vom Planungsamt: "Dann müssten wir die Baustraße immer wieder neu aufreißen, was die Kosten erheblich in die Höhe treiben würde."
Auch die FDP zeigte sich vom Konzept enttäuscht: "Wir wollten den großen Wurf, das ist nicht gelungen", stellte Hans-Dieter Heinrichs fest. Das sei nun kein Vorwurf, "aber letztlich kann jeder Bauherr doch selbst entscheiden, was er machen will".
Die Niederrheinwerke waren als Investor eingesprungen, um der Gemeinde die Grundstücke – deren Verkauf ein drohendes Haushaltssicherungskonzept abwenden sollte – abzunehmen. Die Vermarktung läuft trotzdem über die Gemeinde. Sollten einzelne Grundstücke in den kommenden Jahren nicht verkauft werden, müsste die Gemeinde die "Ladenhüter" zurücknehmen.
So sehe es gegenwärtig aber nicht aus, betonte Bernd Gather im Gespräch mit der RP. "Wir haben mehr als 60 Interessenten für das Baugebiet, über 20 davon haben sich schon für ein Grundstück entschieden." Seine Prognose: "2012 haben wir gut die Hälfte der Grundstücke verkauft." Nun müsse ein marktfähiges Konzept her, das "weitgehend ökologisch verträglich" ist. Die Verwaltung will nun die Bauinteressenten befragen, welche Form der Energieversorgung sie denn wollen. Der Ausschuss formulierte lediglich den Wunsch, ein anteiliges Nahwärmenetz einzurichten. Dagegen votierten mit vier Stimmen die Grünen.
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