Viersen: Weiber vertrieben die Scheichs
VON NATASCHA BECKER - zuletzt aktualisiert: 12.02.2010Viersen (RPO). Mit Tretrollern, Tauziehen, Kanonendonner und jeder Menge Tanz rückten die Möhnen samt Verstärkung dem Viersener Rathaus zu Leibe. Vor einer solch mobilen Übermacht gab sich Bürgermeister Thönnessen geschlagen.
Karnevalszüge
In Sachen närrisches Treiben geht es mit den Zügen weiter. Der Rintger Veedelszog macht dabei den Anfang und zwar am Sonntag um 11.11 Uhr an der Rintgerstraße.
Der eigentliche Tulpensonntagszug in Viersen startet um 14.11 Uhr.
Rosenmontag geht es in Süchteln um 10.11 Uhr los. Die Dülkener beginnen ihren Rosenmontagszug um 14.11 Uhr.
Wenn Kühe mit Teufeln auf dem Viersener Rathausplatz vor dem Stadthaus tanzen, dann kann das nur eins bedeuten: Altweiber und der Sturm aufs Rathaus. Zahlreiche Besucher hatten sich eingefunden, um das Gaudi live und in Farbe mitzuerleben. Den Anfang machten traditionell die Möhnen mit ihren fliegenden Tretrollern. Angefeuert von den Zuschauern flitzten sie den eigens abgesteckten Rundkurs. "Herr Bürgermeister, die rollen dir gleich in die Bude", brüllte Senatspräsident Frank Schiffers zum Balkon des Stadthauses hinauf, wo Günter Thönnessen und seine Stellvertreter Hans-Willi Bouren und Ozan Atakani als Scheichs verkleidet Position bezogen hatten.
Standhaft geblieben
Doch weder die rasenden Möhne, die Kindertanzgarde aus dem Rahser samt Kinderprinz Jan-Philipp I. und Prinzessin Kathrin II., noch die tanzenden Köche der Tanzschule Beneke konnten die beiden Scheichs dazu bewegen, auch nur einen Millimeter Rathaus abzugeben. Selbst eine Demonstration der Kraft der Möhne beim Tauziehen half nichts. Thönnessen blieb standhaft. Und es kam noch schlimmer. "Auch wenn ihr euch die Haare rauft, Dülken hab ich heut' verkauft", donnerte Thönnessen dem närrischen Volk entgegen.
Doch wer auf den großen Geldsegen hinsichtlich eines solchen Verkaufes gehofft hatte, der wurde schon bei den nächsten Worten enttäuscht. "Allerdings hat man mich nur ausgelacht. Dülken hat nicht viel gebracht", fügte Scheich Thönnessen an. Gerade einmal 50 Cent flossen in die Stadtkasse. Die Frage nach den Finanzen ließ Scheich Thönnessen nur den Kopf schütteln. Versiegte Ölquellen, der Kämmerer in Süchteln, da bliebe nur noch eins übrig. Das oberste Stockwerk des Stadthauses werde verkauft, dort werde in Kürze ein Etablissement eröffnet. Nachrichten, die von den jecken Besuchern mit Lachen quittiert wurden.
Das Lachen verging dann aber Thönnessen und Bouren. Abgelenkt vom Tanz der Prinzengarde, die vom Sommer träumten und dazu kräftig das Tanzbein und den Säbel schwangen, so dass die dicken, wärmenden Schals um die Köpfe flogen, schafften es die Möhnen Kathi, Annemarie, Steffi und Barbara unbemerkt ins Rathaus zu gelangen. Vier Frauen gegen zwei Männer, der Sieg war programmiert. Die Vier stopften die beiden in jeweils eine 120 Liter große blaue Papiertonne. Dazu gab es einen Kranz aus Sellerie, Möhren und Porree um den Hals.
Mit der Fracht kutschierten die Frauen auf den Rathausplatz. Brüllendes Gelächter von allen Seiten. "Die kommen in den Topf zu unserem Vierscher Narrenmenü", freute sich Schiffers. Thönnessen ergab sich angesichts des Selleriegeruchs. "Eigentlich wollte ich hübsche Mädchen küssen, aber das Aftershave Sellerie macht mich fertig", stöhnte er und kapitulierte. Sein "Ihr habt gewonnen" ließ alle das Stadthaus stürmen.
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