Viersen: Welche Zukunft hat die Galerie?
VON JOACHIM NIESSEN - zuletzt aktualisiert: 11.06.2010 - 20:00Viersen (RPO). Die Stadt Viersen muss sparen. Alle Bereiche werden durchleuchtet: auch die Kultur. Jetzt erhielt die Verwaltung von der Politik den Prüfauftrag, Modelle für die künftige Nutzung und Trägerschaft der Galerie zu erarbeiten.
Es soll eine sachliche Diskussion werden. Darauf einigten sich alle Politiker des Viersener Kulturausschusses, als sie in ihrer jüngsten Sitzung die Verwaltung beauftragten, verschiedene Modelle für die wirtschaftliche und inhaltliche Zukunft der Städtischen Galerie im Park vorzulegen.
Wie sensibel das Thema "Galerie" für weite Teile der Viersener Bevölkerung ist, betonte Kulturdezernent Dr. Paul Schrömbges noch einmal ausdrücklich: "Die Galerie in Viersen ist ein Ort der Kunst, aber auch eine Stätte der Begegnung und der Bildung. Die Vernetzung mit den Schulen und in die Bürgerschaft der Stadt ist intensiv. Ein Wechsel in Funktion und Trägerschaft der Städtischen Galerie im Park hat verschiedene Aspekte zu bedenken."
Galerie in Zahlen
Besucher Insgesamt 4777 Besucher hat die Städtische Galerie im Park im vergangenen Jahr registriert. Darunter waren 34 Schulklassen.
Aufwendungen Die Aufwendungen für die Galerie beliefen sich 2009 auf 90 433 Euro.
Ausstellungen Die Galerie zeigt wechselnde Ausstellungen mit Werken von exponierten Künstlern sowie Sammlungen.
Politik entscheidet
Schrömbges betonte, dass alle Modelle ergebnisoffen untersucht und der Politik vorgelegt werden. "Sie muss letztlich entscheiden, wo die Reise hingeht." Geprüft wird unter anderem: o ein anderer Sponsor (z. B. die Niederrheinwerke oder auch eine Privatperson)
o ein anderer öffentlicher Träger (z. B. Kreis, Landschaftsverband)
o ein Verein (z. B. Heimatverein)
o eine neu zu errichtende Stiftung
o ein Galerist
o die Stadt bleibt Träger, die Einzelheiten werden verändert.
Parallel schaut die Verwaltung, ob die Finanzsituation der Galerie verbessert werden kann. Möglich wären unter anderem Angebote zur Feier von Kindergeburtstagen, der Ausbau eines Museumsshops oder auch Mieteinnahmen durch Fremdveranstaltungen. Ebenfalls werden höhere Preise für Führungen oder die Reduzierung von Ausstellungen in die Kostenrechnung einbezogen.
"Wir reden hier von einem ersten Entwurf, den die Verwaltung erstellen soll. Er soll als Arbeitsgrundlage dienen, mehr nicht", betonte Marc Peters, der für die CDU im Ausschuss sitzt. Unterstützung bekam er von FürVIE-Ratherr Werner Jungblut: "Wenn die Ergebnisse vorliegen, sollten wir sie uns in Ruhe anschauen und zukunftsorientiert entscheiden. Die Galerie darf nicht im Vorfeld schon zum Spielball werden."
Massive Kritik von Jungblut gab es an den "selbst ernannten Kulturpäpsten, die diese Sache schon im Vorfeld torpedieren". In der Hauptversammlung des Viersener Heimatvereins im März hatte dessen Vorsitzender Dr. Albert Pauly die Diskussion um die Zukunft der Galerie öffentlich losgetreten. Spekulationen, die Stadt könnte das architektonische Kleinod am Kreishaus an einen Privatinvestor verkaufen oder vermieten, machten die Runde.
Auch die Grünen schossen in diesem Punkt quer. Erste Konsequenz: Der Kölner Galerist Klaus Benden hat seit Mittwoch kein Interesse mehr, die Städtische Galerie im Park in Viersen zu übernehmen. Der gebürtige Viersener reagierte damit auf die Kritik an seinem Vorhaben, dort internationale Kunst zu präsentieren. Städtische Ausstellungen hätten nach den Plänen von Benden dort weiterhin möglich sein sollen.
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