Viersen: Wie Archiv-Material gesichert wird
VON INGRID FLOCKEN - zuletzt aktualisiert: 09.07.2009Viersen (RPO). "Dass ein Archiv-Gebäude wie in Köln am 3. März dieses Jahres einfach im Boden versinkt, ist wohl einmalig. Die größten Feinde eines Stadtarchivs sind normaler Weise Feuer und Wasser!" Dr. Arie Nabrings, viele Jahre Stadtarchivar in Viersen und heute Leiter des Archivberatungs- und Fortbildungszentrums des Landschaftsverbandes Rheinland, hielt auf Einladung des Vereins für Heimatpflege einen beeindruckenden Vortrag, den er mit Fotos und Grafiken der Kölner Feuerwehr untermauerte: "Nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs – Bestandsaufnahme und Konsequenzen." Leider waren nur zwanzig Zuhörer gekommen, die allerdings zumeist das Stadtarchiv nutzen und daher äußerst interessiert waren.
Bergung dauert bis September
Nicht bestätigen wollte Nabrings, dass inzwischen rund 80 Prozent des Kölner Archivmaterials gerettet seien. Bis September soll die Bergung abgeschlossen sein, doch die Sichtung und Restaurierung wird noch "viele, viele Jahre dauern". Als Konsequenz aus diesem Unglück stellte Nabrings für alle großen Archive – auch das Viersener Stadtarchiv – folgende dringende Kriterien auf: Sicherungsstrategien, Verpackung, Signierung mit eindeutiger Kennung, Lichtschutz, relativ niedrige Luftfeuchte, keine Klimaschwankungen und einen Lageplan, wo welche Akten zu finden sind.
Von allen historisch wertvollen Originalen sollten Sicherungsfilme hergestellt werden. Auf die Frage eines Zuhörers nach Digitalisierung und damit bessere Lesbarkeit meinte Nabrings: "Die digitalen Träger müssen alle paar Jahre erneuert oder auf den neuesten technischen Stand gebracht werden. Ein Film überdauert etwa 500 Jahre. Eine CD hält höchstens zwanzig Jahre." Die Kosten für digitale Sicherungen stiegen ins Unermessliche. Die Sicherungsfilme werden von der Bundesrepublik zentral im Barbarastollen, einem ehemaligen Silberbergwerk bei Freiburg im Breisgau, gelagert und verwaltet. Als besonders wichtig stellte sich die richtige Lagerung des Archivmaterials dar: Die starken Archivkartons hatten in Köln die wertvollen Akten trotz drückender tonnenschwerer Lasten geschützt. Auch sollten alle Archivalien eindeutig gekennzeichnet sein, damit sie im Falle eines Falles schnell zugeordnet werden könnten. Die heute größten Feinde eines Archivs sind Feuer und Wasser.
Da konnte Viersens Stadtarchivar Marcus Ewers gleich betonen: "Beim Umzug unseres Archivs in die ehemalige Turnhalle des Gymnasiums war die Viersener Feuerwehr von Anfang an eingebunden. Nicht nur für Schutz bei einem Brand, sondern auch für Schutz vor dem Löschwasser."
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