Viersen: Winterreifen werden knapp
VON DÉSIRÉE LINDE - zuletzt aktualisiert: 14.11.2009Viersen (RPO). Wer jetzt noch nicht umgerüstet hat, muss entweder tiefer in die Tasche greifen oder das Risiko eingehen, beim ersten Schnee ohne Winterreifen zu fahren. Schuld an dem Mangel sind Wirtschaftskrise und Abwrackprämie.
So eine Zeit hat Harald Krenz noch nie erlebt. "Ich kann den Kunden einfach nichts sagen." Damit meint der Chef von Reifen Krenz in Lobberich die Preise für Winterreifen. "Die ändern sich stündlich" – und seien jetzt schon hoch. Ein Reifen in Standardgröße, etwa für den VW Golf oder den Opel Astra kostet jetzt schon 84 statt 70 Euro im Vorjahr. Und ein Ende des Preisanstiegs ist nicht in Sicht.
Lage wird sich noch zuspitzen
Schuld ist ein regelrechter Reifenmangel. Denn im Sommer meldeten die Reifehersteller wegen der Wirtschaftskrise Kurzarbeit an und "produzierten nur ganz vorsichtig", wie Krenz sagt. Jetzt fehlen vor allem Reifen für die neuen Kleinwagen, die durch die Abwrackprämie verkauft wurden. Denn die waren beim Verkauf mit Sommerreifen ausgestattet, brauchen nun aber ihre "Winterschuhe". Die Industrie hat die Produktion allerdings schon wieder auf Sommerreifen umgestellt. "Zwischendurch schieben sie dann noch ein paar Winterreifen ein, aber da kann es dann bis Januar dauern, bis die geliefert werden", sagt Harald Krievans, der seit 25 Jahren mit seinem Partner Michael Lambertz den gleichnamigen Reifenhandel an der Freiheitsstraße in Viersen betreibt.
Gesetzliche Grundlage
Straßenverkehrsordnung Die deutsche Straßenverkehrsordnung schreibt Winterreifen zwar nicht ausdrücklich vor, aber fordert seit dem Jahr 2006 "eine geeignete Fahrzeugbereifung". In dem Jahr waren Reifen bereits einmal knapp, so die Reifenhändler.
Bußgeld Wen die Polizei mit nicht geeigneter Fahrzeugbereifung anhält, der wird mit mindestens 20 Euro Bußgeld zur Kasse gebeten.
Gerade die Reifen, die bei Tests, etwa des ADAC besonders gut abgeschnitten seien, sind jetzt knapp, hat Richard Tendyck festgestellt. Er ist KfZ-Innungsmeister des Kreises Viersen und hat in Nettetal ein Autohaus. Bei der Bereifung rät Tendyck, zur Not auf andere Marken umzusteigen. Allerdings sind ebenfalls Stahlfelgen knapp. "Da ist die Lage katastrophal", klagt Krenz. "Die sind jetzt auch nur teurer zu kriegen."
Sorgen macht den Reifenhändlern der erste Schnee, der trotz des angekündigten milden Wochenendes jetzt schnell kommen kann: "Wenn die Leute dann erst zu uns kommen und Winterreifen haben wollen, wird es wirklich eng. Die Lage wird sich noch zuspitzen", sagt Markus Kroninger, Filialleiter von Pneumobil an der Viersener Alte Bruchstraße. Er klagt, dass einige Großhändler – "schwarze Schafe", wie er sagt – die Restbestände an besonders nachgefragten Winterreifen-Marken aufgekauft hätten und sie jetzt überteuert weiter verkauften. Die Händler müssten diese Preise dann an die Kunden weitergeben. "Und wenn sich der Markt entspannt, im Januar, Februar, ist es für die Winterreifen zu spät", sagt Kroninger.
Generell raten alle Reifenhändler, pünktlich an die Winterreifen zu denken. "Da gilt immer noch der Spruch: Von O bis O", sagt Tendyck. Also von Oktober bis Ostern. "Lieber ein paar Tage bei warmem Wetter fahren", rät auch Krenz. Allen, die jetzt noch keine Winterreifen aufgezogen haben, bleiben laut Krenz nur zwei Möglichkeiten: Entweder warten, bis die Preise wieder sinken und damit riskieren, beim ersten Schnee auf Sommerreifen über die Straßen zu schliddern oder aber den höheren Preis bezahlen. FRAGE DES TAGES
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