Viersen: Zeitreise in die wilden 20er Jahre
VON NATASCHA BECKER - zuletzt aktualisiert: 05.07.2010Viersen (RPO). Ein ganz besonderes Begleitprogramm erfuhr der Niederrheinische Radwandertag gestern auf dem Viersener Gereonsplatz. Grammophonsammler Volkmar Hess und Mitstreiter präsentierten im Rahmen des Südstadt-Sommers ein Fest im Zeichen der "Roaring Twenties".
Der Rosengart aus dem Jahre 1929 wirkt wie ein Magnet. Immer wieder steuern Besucher den auf dem Viersener Gereonsplatz stehenden Oldtimer an. Aber das ist auch kein Wunder. Der sich im Originalzustand befindende Wagen mit seinem kastigen Aufbau, der einst als Tante-Emma-Laden diente, ist von Besitzer Udo Pfeiffer als solcher dekoriert worden. Auf und hinter der mit zwei Lederbändern heruntergelassenen Heckklappe finden sich alte Waschmittelverpackungen, Weinflaschen, Körbe mit Obst oder alte Kaffee- und Teedosen.
Wenn Pfeiffer die Glocke schwingt, könnte man sich um Jahre zurückversetzt fühlen. Ein fliegender Verkäufer, der in den 20er Jahren seine Runden dreht. Ein kurzes Hupen lenkt die Augen der Besucher vom Rosengart ab. Christian Weien tuckert hupend mit seinem Ford T-Modell – in Kennerkreisen "Tin Lizzy" genannt – aus dem Jahr 1926 an.
Südstadt-Sommer
Südstadt In Sachen Südstadt-Sommer geht es am kommenden Freitag, 9. Juli, 20 Uhr, mit "ImproFrittiert", einem Budenzauber anderer Art, in Tommy´s Workshop am Gereonsplatz 3 weiter. Karten kosten im Vorverkauf sieben Euro.
Gewinner Das Südstadtfahrrad gewann ?.
Bild Das Grammophonbild von Johann Josef Föhles erbrachte bei der Versteigerung die stolze Summe von ? Euro.
Im historischen Radlerlook
Aber die beiden Oldtimer sind beileibe nicht die einzigen Höhepunkte auf dem Gereonsplatz. Der gesamte Platz präsentiert sich komplett im Look der 20er Jahre. Zu den jazzigen Tönen der Formation "Sunday Morning Stompers" bestaunen die Besucher Oldtimer-Fahrzeuge in Form von Autos, Motorrädern und Fahrrädern, bewundern den alten Radlerlook der "Interessengemeinschaft historische Fahrräder Moers" sowie die Schätzchen aus dem Radio- und Phonemuseum Dormagen, die Volkmar Hess mitgebracht hat. "Die Palette reicht vom Walkman der 20er Jahre, dem transportablen Kofferradio, bis hin zum Trichtergrammophon. Wir bewegen uns dabei in den Jahren 1910 bis 1930", erklärt Hess.
Der Dülkener hat die Idee für die ausgefallene Veranstaltung unter dem Titel "Tango, Charleston & Co" gehabt und das Programm gemeinsam mit dem Stadtteilbüro Südstadt organisiert.
Auf der aufgebauten Tanzfläche ist mittlerweile das Trippeln von Schritten zu hören. Die Tänzer von "Tangoluna" lassen den Holzboden beben. Ein echter Hingucker sind die Original-Charleston-Kostüme der "Tigerfeets" aus Erkelenz, die anschließend swingend über die Tanzfläche fegen, so dass es manchen der Besucher selber in den Füßen juckt. Auch die "Boogie-Friends NRW" begeistern.
Ob knisternde Musik dank der alten Schelllackplatten oder dem Live-Gesang der Düsseldorfer Sängerin "Fräulein Odetta Vrba", begleitet von Pianist Markus Goosmann, die Stimmung ist bestens. Auch die Kunst an sich kommt nicht zu kurz. Der Brüggener Maler Johann Josef Föhles hat einige seiner Werke mitgebracht, darunter auch das so genannte "Grammophonbild", dass an diesem Tag zugunsten des Programms des Südstadt-Sommers 2011 versteigert werden soll.
Dass zeitgleich der Niederrheinische Radwandertag stattfindet, ist unschwer an den vielen Radlern und den Fahrrädern, die Achim Bungardt vom Fahrradgeschäft Lankes vorstellt, zu erkennen. Ein Rad zieht dabei besondere Blicke auf sich und zwar ein schwarzes Nostalgierad. Das ist nämlich das von Bungardt gestiftete "Südstadtfahrrad" und der erste Preis der großen Tombola.
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