Viersen/Neuss : Zoll stellt Edel-Plagiate sicher
VON MARC PESCH - zuletzt aktualisiert: 09.09.2011 - 18:21Viersen/Neuss (RP). Zollfahndern ist in Neuss der größte Schlag gegen Produktpiraterie der vergangenen Jahre gelungen: Sie entdecken gefälschte Luxusartikel im Wert von rund vier Millionen Euro. Gestern wurde die Plagiate in Dülken präsentiert.
Im Neusser Hafen hat der Zoll in NRW eine riesige Menge gefälschter Luxusartikel entdeckt: Knapp 70 000 Handtaschen, Schuhe und Accessoires wurden sichergestellt, die Ware hat im Original einen Laden-Verkaufswert von mindestens vier Millionen Euro. Es ist der größte Schlag gegen die organisierte Produktpiraterie in den letzten 30 Jahren.
Bereits Anfang der Woche waren Zollfahnder bei einer Routinekontrolle auf die gefälschten Luxuswaren gestoßen. Die Ermittler staunten nicht schlecht, als sie einen Karton nach dem anderen öffneten und enorme Mengen an Plagiaten zum Vorschein kamen. „Handtaschen von Prada, Gucci und Louis Vuitton waren dabei, topmodische fellgefütterte Stiefel aus Australien, so genannte UGG-Boots, Lacoste-Artikel – nur das Beste vom Besten“, so Zollfahnder Ulrich Schulze.
Drei Tage habe man gebraucht, um die Waren aus dem illegalen Lager in Neuss in die Hallen einer Spedition im Gewerbegebiet Dülken-Mackenstein zu räumen. „Schauen Sie sich diesen Berg an“, meint Schulze bei einem Ortstermin, „die Sachen türmen sich bis zu einer Höhe von acht, neun Metern, und das auf einer Breite von 15 Metern.“ Was für jede Frau ein Shopping-Paradies wäre, ist für den Zoll der größte Fund der vergangenen Jahrzehnte. „Sowas hatten wir noch nicht“, weiß auch Zollsprecher Alwin Bogan, „diese 70 000 Teile haben schon als Fälschungen einen Wert von 400 000 Euro.“ Im Original beispielsweise auf der „Kö“ in Düsseldorf müsste man „das Zehnfache“ dafür hinblättern. Man habe einen enormen wirtschaftlichen Schaden verhindert, so die Ermittler.
Hergestellt wurden die gefälschten Luxusartikel in China. Ein chinesisches Ehepaar aus Köln habe die Waren importiert, um sie in den Handel zu bringen. „Die Waren sind im Container im Hafen von Hamburg angekommen und dann nach Neuss geliefert worden“, so Bogan. „Wir gehen davon aus, dass die Waren europaweit verkauft werden sollten.“ In südeuropäischen Urlaubsregionen etwa seien derart gefälschte Luxusartikel nahezu „an jeder Ecke“ zu finden. Das chinesische Ehepaar wurde vorübergehend festgenommen, befindet sich aber wieder auf freiem Fuß. Wegen fehlender Fluchtgefahr.
Die gefälschten Luxusartikel werden in den nächsten Monaten in der Lagerhalle der Viersener Spedition vernichtet. Die chinesischen Produktpiraten werden indes munter weiter produzieren: Alleine 2010 kamen rund 78 Prozent der in Deutschland sichergestellten Plagiate und Fälschungen aus China - Tendenz steigend.
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