Kreis Viersen: Zum Adel verpflichtet
VON DURES KÜCKEMANNS - zuletzt aktualisiert: 05.03.2011Kreis Viersen (RPO). Das Ansehen der Politik befindet sich seit Jahren im Sturzflug. Trotzdem geht es noch immer schneller in die Tiefe. RP-Mitarbeiter Dures Kückemanns hat sich überlegt, wie es wieder aufwärts ginge. Er hat da eine Idee.
Im Herzen sind wir Republikaner, Freunde. Nur manchmal sehnen wir uns nach einer Lichtgestalt, die uns durch das Tal der Finsternis in eine leuchtende Zukunft führt. Es ist aber auch ein Elend.
Der Sprit- übertrifft den Goldpreis, die Brötchen werde teurer, weil kein Bauer mehr Weizen, sondern nachwachsende Rohstoffe für EA10 anbaut. Und jetzt das. Zunächst narrte KTzuG die Wissenschaft, dann die Öffentlichkeit und schließlich die Narren, die eilends Büttenreden umschreiben und Mottowagen umgestalten mussten.
Dabei täte uns ein Adeliger gut. Zu ihm lässt sich unterwürfig aufschauen – und wenn er die stille Sehnsucht nach etwas Monarchie stillt, umso besser. Vielleicht verspürten wir schon Linderung, wenn unsere Bürgermeister nicht mehr Bürgerliche wären.
Versicherung
Texte Stammen alle von Dures Kückemanns, sie wurden nirgends abgeschrieben und sind Ergebnis selbstständiger Denk- und Rechercheleistungen.
Fotos stammen von Franz-Heinrich Busch (6), von Horst Siemes (4) und von einem der Redaktion und auch Dures nicht bekannten Fotokünstler.
Meine Nachbarin Cora-Sieglinde hätte mehr Respekt vor Günter Thönnessen, wenn der vier weitere Vornamen hätte und von und zu Thönnessen hieße. Cora-Sieglinde durchforstet Wartezimmer von Ärzten.
Hauptsache, die haben den Lesezirkel. Sie verschlingt "Frau im Spiel", "Das blaublütige Blatt", "Schwarzbunte" und andere Verwerter deutschen Restadels. Sie kennt dynastischen Verästelungen und plagiastische Verstrickungen aller sowieso miteinander verwobenen Sippen bis ins Detail.
Mit ihr kann man über Adel nicht streiten. Den hat die preußische Landesversammlung am 23. Juni 1920 abgeschafft. Seither gibt's in Deutschland keinen Adel mehr, er wird nur umso mehr verehrt. Titel gibt es auch nicht mehr. Ein "Freiherr", "Baron" oder "Fürst" ist nur noch Teil des Namens. Cora-Sieglinde ist das schnurz. Sei's drum, das Volk will beadelt werden sich und an blauem Blut betrinken.
Als KTzuG dieser Tage seinen Rücktritt an die Kanzlerin SMS-te, die gerade über die CeBIT marschierte, hockte Cora-Sieglinde auf ein Tässchen Kaffee bei mir. Ach, war sie enttäuscht. "Der Tönne", sinnierte sie, "der Tönne machte bestimmt auch eine gute Figur, wenn er im Stadthaus zwischen Café Mokka und Kundenzentrum der Niederrheinwerke mit Brillantine im Haar sein Amt niederlegte.
Er müsste eben nur Günther von und zu Thönnessen heißen." Mein Versuch ihr klarzumachen, dass Thönne Sozi ist, prallte von ihr ab. "Na und? Lambsdorff war nicht in der CDU." "Nein, aber in der FDP." "Graefe von Baringdorf ist aber kein Christliberaler." "Ja, ich weiß, der ist Grüner und gegen Atomkraft." "Ist der Tönne doch auch." "Das weiß ich nicht. Der sitzt auch gern im beheizten Büro." "Christian von Wagner klingt auch hübsch." "Ja, aber der Adelstitel ist vergeben an einen Kabarettisten aus Hessen, und der heißt Claus von Wagner." "Und Winzen in Niederkrüchten.
Wäre doch nett: Herbert de la Winzen." Sie näselte das letzte Wort formvollendet über den Rand ihrer Kaffeetasse. "Reinhold Schulz von Schwalmtal kann man sich ja auch vorstellen." "Schwerlich. Die Internetseite der Familie des Dr. jur. Friedrich von Schulz-Hausmann, Wirklicher Geheimer Rat, ist von einem Passwort geschützt. Kommt von Schwalmtal keiner rein." "Gerhard von Gottwald müsste aber in Brüggen auf der Burg wohnen." "Tja, vielleicht ist er ein Nachfahre von Lord Jerimiah Gottwald, der als Kunstfigur bei myspace die Vormacht der höheren britischen Gesellschaft verteidigt."
Bis zum nächsten Mal
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