Viersen: Zutritt nur für Mitglieder
VON FRANK SCHLIFFKE - zuletzt aktualisiert: 26.07.2008Viersen (RPO). Rauchverbot in Kneipen in der Praxis: In einer Minute ist das Formular ausgefüllt, wird der Gast zum Mitglied des „Raucherclubs“ und erhält Zutritt zur Gaststätte, in der alles aussieht wie immer, die aber jetzt ein „Clubheim“ ist.
Nun bin ich also Mitglied. Ich habe sogar eine Mitgliedskarte, darauf steht die laufende Nummer 00397. Das bedeutet: In den gut drei Wochen, die der Club besteht, hat er im Schnitt etwas über 17 neue Mitglieder pro Tag gewonnen. Mitglieder eines Clubs, der ausdrücklich kein Verein sein will, der ohne Mitgliederversammlungen auskommt, obwohl es sein einziger Zweck ist, dass die Mitglieder sich versammeln können. Wenn der Trend anhielte, wären am Jahresende über 2500 Menschen dabei.
Gagula Zelimir hat den Club ins Leben gerufen, um, wie er es sagt, überleben zu können. Zelimir ist seit sechs Jahren Wirt des Warsteiner Treffs an der Ecke von Hauptstraße und Wilhelmstraße. Und der Club ist der „Raucherclub Warsteiner Treff“ mit dem gemeinschaftlichen Motto „Wir rauchen weiter“.
Raucherclub
Zweck Raucherclubs dienen nach ihren Satzungen nur dazu, „gemeinschaftlich Tabakwaren zu konsumieren“. Für Räume solcher „Clubs“ gilt das Rauchverbot nicht.
Modelle Angeboten werden sowohl Lösungen, bei denen die Gäste für die Mitgliedschaft zahlen, als auch kostenfreie Versionen. Es gibt über das Internet organisierte Clubs mit „Filialen“ bundesweit ebenso wie Vereinigungen, deren Wirkungsbereich genau eine Gaststätte umfasst.
Geschlossene Gesellschaft
Seit dem ersten Tag des Rauchverbots in Gaststätten, dem 1. Juli dieses Jahres, ist das Warsteiner einer permanente geschlossene Gesellschaft, zu der nur Mitglieder Zutritt haben. Für Gäste von der Außenterrasse gibt es sogar einen rauchfreien separaten Zugang zu den Toiletten. Durch die Einrichtung von „Raucherclubs“ umgehen die Wirte das Rauchverbot, wenn sie, wie in Zelimirs Ein-Raum-Kneipe, keine gesonderten Raucherbereiche einrichten könne.
Der Zwang zur Mitgliedschaft wird von den Kunden akzeptiert: „Die Leute fragen gleich, ob ich was zum unterschreiben habe.“ Nach der Unterschrift wird das Formular in einem Aktenordner hinter der Theke abgeheftet, das neue Mitglied erhält seinen Ausweis. Kosten für den Gast: keine.
An der Theke, an der am frühen Abend auch viele nicht rauchende Clubmitglieder versammelt sind, herrscht Einigkeit: „Das Rauchverbot in Kneipen ist Blödsinn.“ Das Bierchen am Tresen und die Zigarette gehörten zusammen. „Meine Gäste haben schon vor dem Stichtag gefragt, ob sie weiterhin rauchen dürfen“, berichtet der Wirt. Achtzig Prozent seiner Kunden, schätzt er, wollen in der Kneipe nicht auf die Zigarette verzichten, „mindestens“. Dennoch merke er die Verunsicherung, viele Gäste blieben zu Hause. Sein Umsatz sei spürbar eingebrochen. Seine Hoffnung gilt dem Bundesverfassungsgericht. Wenn die Richter das Rauchverbot für Eckkneipen wie seine aufheben, wüssten die Gäste wieder sicher, was sie erwartet. Und sonst: „Von einem Drittel des Umsatzes wie zurzeit kann ich nicht leben. Dann mache ich, auch aus Rücksicht etwa auf den Sparclub, noch bis zum Jahresende weiter und dann ist Schluss.“ Ein zweites Standbein hat er sich durch die Übernahme des Kamps-Cafés am Sparkassenvorplatz bereits geschaffen. Das ist rauch- und clubfrei. Mitgliedskarten gibt es hier nicht.
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