Stadtporträt: In Viersen herrscht das "Wir-Gefühl"
VON ANDREAS REINERS - zuletzt aktualisiert: 16.08.2006 - 14:20Viersen (RPO). Die Stadt Viersen bezeichnet sich gerne als Stadt der Gärten und Parks, Kulturstadt am Niederrhein. Viersen hat rund 76.000 Einwohner in vier Stadtteilen. Von 1929 bis 1970 war der heutige Stadtteil Alt-Viersen kreisfreie Stadt. Im Zuge der kommunalen Neugliederung schlossen sich 1970 die Städte Viersen, Dülken und Süchteln sowie die Gemeinde Boisheim zur neuen Stadt Viersen zusammen.
Bei der Zusammenlegung war es Ziel, die 100.000-Einwohner-Marke zu erreichen. Dieses Ziel ist längst in weite Ferne gerückt. Viersen verliert sogar noch leicht an Einwohnern. Während die Städte und Gemeinden im Umland schon vor Jahren von der Landflucht der Großstädter profitierten und dort viele Neubaugebiete entstanden, ging dieser Zustrom an der Kreisstadt fast völlig vorbei. Erst in jüngster Zeit hat Viersen diesen Trend stoppen können.
So langsam wächst ein gesamtstädtisches Bewusstsein, das es zunächst in den 1970-er und 1980-er Jahren kaum gab. Deshalb nahm Viersen seine Rolle als Kreisstadt auch nur sehr zögerlich an. Zu sehr lebten die früher selbstständigen Städte Viersen, Dülken und Süchteln ihr Eigenleben. Immerhin hat die Kreisverwaltung seit 1975 ihren Sitz in Viersen und mit ihr andere kreisweite Verwaltungseinrichtungen wie Musikschule und Volkshochschule, Wirtschaftsförderungsgesellschaft oder Gemeinnützige Wohnungsbau-Gesellschaft.
Viersen hatte ebenso wie die großen Nachbarn Mönchengladbach und Krefeld unter dem Niedergang der rheinischen Textilindustrie zu leiden. Viele Arbeitsplätze gingen verloren, als die Webereien in den 1960-er und 1970-er Jahren gleich reihenweise dicht machten. Davon hat sich die Stadt bis heute nicht erholt. Auch große und namhafte Arbeitgeber in anderen Branchen wie die Firmen Masterfoods (früher: Mars) in Dülken oder Kaiser‘s-Tengelmann in Viersen konnten den Negativtrend nicht stoppen. Viersen hat die höchste Arbeitslosenquote im Kreisgebiet.Seine Identitätskrise hat Viersen dagegen inzwischen überwunden. In den vergangenen Jahren hat sich ein „Wir-Gefühl” entwickelt. Das zarte Pflänzchen will gepflegt werden. Bei Gemeinschaftsaktionen wie „Viersen blüht” ziehen alle Stadtteile an einem Strang.
Mit der in den vergangenen Jahren aufwendig restaurierten Festhalle hat Viersen einen Kulturtempel von überregionaler Bedeutung. Alljährlich findet hier im September ein Internationales Jazz-Festival statt. Die Städtische Galerie im Park und die Skulpturensammlung zeigen Kunst und Kultur von internationalem Rang.Schließlich bietet Viersen viel an Freizeitaktivitäten. Viele Sportvereine beherbergt die Stadt.
Die Niersauen, der Hohe Busch oder die Süchtelner Höhen bieten Wanderern oder Radfahrern Gelegenheit zur Entspannung. Die Verkehrsanbindung per Bahn und Autobahn in die Ballungszentren an Rhein und Ruhr ist gut.
Fakten
Fläche (in km2) 9100 Hektar
Einwohnerzahl 75.457 Einwohner
Zusammensetzung Stadtrat 58 Sitze, CDU (24), SPD (15), Bürgergemeinschaft FürVIE (5), Grüne (5), FDP (5), NPD (1), LINKE (2), BSB/FW (1)
Bürgermeister Günter Thönnessen (SPD)
Partnerstädte Lambersart (Frankreich), Peterborough (England), Calau (Brandenburg), Mittweida (Sachsen), Kanew (Ukraine), Pardesia (Israel)
1080 Erste urkundliche Erwähnung von Alt-Viersen
1294 Die Grafen von Geldern sind Schutz- und später auch Landesherren der Herrlichkeit Viersen.
1135 Erste urkundliche Erwähnung von Dülken, das 1352 Stadtrechte erhält.
1713 Viersen geht als Teil des Amtes Krickenbeck an Preußen.
1970 Aus den selbstständigen Städten Viersen, Dülken, Süchteln und der gemeinde Boisheim ensteht die neue Stadt Viersen.
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