Fußball: Caspers: "Nicht allein der starke Mann"
zuletzt aktualisiert: 23.12.2009Bernd Caspers, neuer Vorsitzender des Dülkener FC, und sein "Vize" Udo Krienen sprechen in der RP erstmals über ihre Beweggründe für den Führungswechsel, die Situation beim DFC und ihre langfristigen Ziele.
Herr Caspers, vor 19 Tagen wurden Sie zum neuen Vorsitzenden des Dülkener FC gewählt. Gönnen Sie sich bei all dem Stress der vergangenen Wochen wenigstens Weihnachten eine Pause?
Caspers Ein wenig kann ich schon zur Ruhe kommen. Doch der Kontakt zum Vorstand wird in den kommenden Tagen nicht abreißen. Eine Auszeit gönnen wir uns erst im Frühjahr.
Haben Sie keine Angst vor den Aufgaben, die in den nächsten Monaten auf Sie zukommen?
Caspers Überhaupt nicht. Natürlich war die Masse an Anrufen, vor allem wegen der Planung des Masters, enorm. Aber ich bin hier nicht alleine der starke Mann, kein autoritärer Typ. Ich habe es lediglich geschafft, sieben Top-Leute an einen Tisch zu holen, die den Verein in ihrem Bereichen selbstverantwortlich auf Vordermann bringen wollen.
Der DFC-Vorstand
Bernd Caspers, Vorsitzender
Udo Krienen, 2. Vorsitzender
Stefan Krienen, Sportl. Leiter
Jürgen Krienen, 1. Geschäftsführer
Lutz Krienen, 2. Geschäftsführer
Peter Verhufen, 1. Kassierer
Stefan Krahnen, Leiter Nachwuchsförderung
Dirk Hechel, Leiter Spielbetrieb
Steht der Dülkener FC denn so schlecht da, mit einer Mannschaft in der Bezirks- und einer Reserve in der B-Liga, Herr Krienen?
Krienen Unsere Misere ist nicht der Tabellenstand der Ersten Mannschaft. Sie hat die Klasse, sich aus dem Abstiegskampf zu befreien, besonders in dieser ausgeglichenen Liga. Schlimmer ist das, was darunter passiert. Wir haben unterm Strich nur noch drei Spieler für die Zweite. Um eine Mannschaft für die Spiele zustande zu bekommen, müssen viele Alte Herren aushelfen. Die langfristige Arbeit stimmt nicht.
Ist das gleich ein Grund, Gerd Schaeben nach 15 Jahren als Vorsitzenden zu stürzen?
Caspers Es sind ja nicht nur die sportlichen Probleme, die wir haben. Wir haben die finanzielle Situation von Wirtschaftsprüfern gegenrechnen lassen. Was die Liquidität angeht, sind wir aufgrund des Vereinsheims, das uns gehört, zwar pari. Bis zum Frühjahr müssen aber auch die Aufwendungen für unsere Spieler wieder aus der Vereinskasse bezahlbar sein.
Apropos: Haben Sie bereits mit dem Bezirksliga-Team gesprochen?
Caspers Wir haben uns darauf verständigt, dass wir uns am 8. Januar bei der Mannschaft vorstellen. Da wollen wir auch unsere Ziele klar machen.
Wie sehen diese aus?
Krienen Wir haben in Dülken mit der Ligazugehörigkeit der beiden Senioren-Mannschaften eine vernünftige Konstellation. Die Bezirksliga ist aber auch absolute Pflicht. Außerdem wollen wir wieder schönere Spiele sehen.
Das klingt, als machen Sie Trainer Thomas Menzel einen Vorwurf?
Krienen Keineswegs. Für den Tabellenstand kann er nichts. Thomas ist ein guter Trainer, der außerdem einen Vertrag bis 2011 hat.
Worum geht es noch in Ihrem Konzept?
Caspers Wir wollen das Vereinsleben stärken. Wir haben in diesem Jahr schon 145 Abmeldungen von Mitgliedern. Wir wollen zurück über die Sechshunderter-Grenze. Bei den Heimspielen sollen außerdem wieder bis zu 150 Zuschauer kommen. Für die Pächter ist das Vereinsheim schließlich ein wirtschaftliches Unternehmen. Da soll es wieder richtig voll werden.
Krienen Außerdem wollen wir Spieler, die beim Dülkener FC groß geworden sind, zurückholen. Wir wollen in der Jugend wieder auf mehr Klasse statt auf viel Masse setzen, Mannschaften in der Bestengruppe stellen. Das geht nur mit ausgebildeten Trainern. Die Reserve-Mannschaft soll in einer Liga spielen, die für Spieler, die es nicht in die Bezirksliga schaffen, eine Perspektive ist.
Da haben Sie sich viel vorgenommen.
Caspers Man muss Ziele haben, sonst läuft es nicht. Gerd Schaeben wird sicher sagen, dass er in ähnlicher Form das Gleiche vorhatte. Doch wir acht, die nun den neuen Vorstand bilden, kamen in den vergangenen Monaten so zusammen, dass wir die Chance sahen, gemeinsam etwas zu erreichen. Vielleicht wäre das in zwei Jahren nicht mehr gegangen.
Dieser unerwartete Machtwechsel hat aber für viel Aufsehen gesorgt.
Krienen Ganz ehrlich: In den Tagen danach hatten wir einige Bauchschmerzen, wie es abgelaufen ist.
Caspers Wir haben sicherlich nicht alles richtig gemacht, das müssen wir zugeben. Wir haben unterschätzt, dass Gerd so emotional reagieren würde.
Wird er noch einen würdigen Abschied erhalten?
Caspers Dazu gibt es keinen Grund. Denn wir wollen ihn ja nicht verlieren. Wir alle wollen, dass er dem Verein erhalten bleibt, und das nicht nur als Verantwortlicher der Werbefirma. Gerd Schaeben gehört zum DFC wie die Tore zum Fußball.
Interview Karsten Kellermann und Christian Spolders. Mehr zum Thema Dülkener FC: www.rp-online.de/viersen.
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