Den Ball ins Loch streicheln
VON ELFI VOMBERG - zuletzt aktualisiert: 27.09.2006Golflehrer David Ashton weihte fünf Schnupperkurs-Teilnehmer die Geheimnisse seines Sports ein. Seit einigen Jahren gestaltet der 59-jährige Engländer auch Golfplätze.
Die ersten Gehversuche auf dem Rasen fallen noch etwas holprig aus. Voller Ehrfurcht wird Fuß für Fuß in die samtig grüne Fläche gesetzt. „Wir gehen nicht wie Fußgänger, sondern wie Golfer“, treibt David Ashton seine „Schäfchen“ an. Das war bereits die erste Lektion, die er nach hinten über die Schulter erteilt. Der Golflehrer geht mit gutem Beispiel voran und eilt forschen Schrittes über den Rasen. Fünf Teilnehmer, die den Schnupperkurs im Golfclub Haus Bey mitmachen, stolpern hinterher.
Die Verschnaufpause folgt nach einem kleinen Rundgang über den Platz an der „Driving Range“, wo die Profis ihren Abschlag auf dem weiten Feld üben.
Doch so weit sind die Anfänger des Schnupperkurses noch lange nicht, sie dürfen sich direkt daneben erst noch auf dem eingezäunten Feld austoben.
Mit Schläger und Bällen wird jeder Teilnehmer von David Ashton auf die Löcher losgelassen. Hoch motiviert wird ausgeholt und geschlagen. Oberste Devise dabei: Hauptsache der Ball kommt ins Loch. Der Golftrainer steht daneben, schlägt die Hände überm Kopf zusammen und bereitet dem sportlichen Treiben ein jähes Ende: „Gut, dass sie alle keine Katze haben. Sie behandeln den Ball ja brutal. Der muss ins Loch gestreichelt werden“, fordert Ashton. Als Benjamin Scheiner seinen Leidensgenossen vorbildliches Putten vorführen soll, rollt der Ball zwei Meter rechts neben dem Loch vorbei. „Gibt es denn hier keine größeren Löcher“, murmelt er vor sich hin. Nach diesem Misserfolg greift der routinierte Golflehrer zu anderen Maßnahmen.
Er reiht die Teilnehmer im Kreis aneinander. „So, und jetzt streichelt den anderen über die Schulter, dann wisst ihr, wie ihr mit einer Katze und einem Golfball umgehen müsst“, empfiehlt Ashton.
Die nächste Runde im Putten fällt wenig später schon viel besser aus. Silvia Rosenkranz trifft bereits vier Mal hintereinander durch „Streicheln“, obwohl das nicht so ganz ihre Disziplin ist, wie sie zugibt: „Ich will Golfspielen lernen, weil ich das schnelle Spiel faszinierend finde. Und wenn es so einen großen Boom in diesem Sport gibt, macht es mich natürlich auch neugierig.“ Doch der sanfte Schlag liegt ihr von Loch zu Loch mehr.
Benjamin Scheiner tut sich währenddessen noch etwas schwer an Loch acht. „Er ist der Mann mit der toten Katze, wenn er sie so streicheln würde“, bemerkt Ashton lachend und lokalisiert sofort das Problem: „Sie sind zu aggressiv, wir müssen Sie erst etwas locker machen.“ Der 29-jährige Kursteilnehmer spielt sonst hauptsächlich Fußball. „Ich habe jetzt schon kaputte Knie und muss mal langsam ans Alter denken. Auch da werde ich Bewegung brauchen. Hauptsache ein Ball ist dabei“, erklärt Scheiner.
David Ashtons nächstes Spiel heißt „Spieglein, Spieglein an der Wand“ – Benjamin Scheiner muss dafür das Spiegelbild sein, während er die Bewegung mit dem Golfschläger nachahmt. Wie ein Pendel schwingt der Trainer hin- und her, sein Schüler nimmt den richtigen Rhythmus auf.
Auch Etikette will gelernt sein
Neben dem richtigen Putten lernen die Teilnehmer auch einiges über die Etikette auf dem Golfplatz. Benjamin Scheiner begeht am Ende im wahrsten Sinne des Wortes einen Fehltritt. Hilfsbereit hebt er die Fahne des Trainers vom Boden auf und betritt dabei den „Heiligen Boden“ des Golfers. „Der Elefant ist über meine Putt-Linie gelaufen“, sagt David Ashton und lacht.
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