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Billard: Kein Preisgeld – die WM ist eine Frage der Ehre

VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 18.02.2010

Es war nur ein Nebensatz. Und eigentlich gut gemeint. "Trotzdem es bei der Weltmeisterschaft in Viersen kein Preisgeld gibt, fehlt von den ersten 20 der Weltrangliste kaum jemand, eigentlich nur die, die sich in ihren Ländern nicht qualifiziert haben", sagte Christian Rudolph, der mit Martin Horn das deutsche Duo bei dem Weltturnier in der Festhalle (25. bis 28. Februar) bildet.

Alex Higgins übte am Tisch eine "unglaubliche Faszination" aus.  Foto: AFP, AFP
Alex Higgins übte am Tisch eine "unglaubliche Faszination" aus. Foto: AFP, AFP

Er wollte den Wohlfühlfaktor des Wettbewerbs herausstreichen, schließlich "ist es das einzige weltweite Turnier, bei dem es kein Geld zu gewinnen gibt", wie der niederländische Spitzenspieler Dick Jaspers sagt. Dennoch kommt die Dreiband-Elite immer wieder gern.

"Müssen vom Billard leben"

Die Gesichtszüge von Bundestrainer Werner Naruhn und Kurt Dahlhaus, Sportdirektor der Deutschen Billard-Union und in Viersen Turnierdirektor, zuckten gleichwohl merklich, als Rudolph das Thema "Preisgeld" aufbrachte. Es ist ein Reizthema, das gern unter den Tisch gekehrt wird, um des lieben Friedens Willen. Doch die Spieler würden durchaus gern mehr verdienen. "Ich hoffe, dass es irgendwann mal Preisgeld gibt. Sonst werden die besten Spieler irgendwann nicht mehr kommen", sagt Jaspers. "Schließlich sind wir Profis und müssen vom Billard leben."

750 Euro Antrittsprämie bekommen die Teams, die das WM-Viertelfinale erreichen, für die Plätze neun bis 15 gibt es 400 Euro, die Ränge 16 bis 24 bringen den Mannschaften 200 Euro. Zum Vergleich: Deutschlands Fußball-Nationalspieler kassierten 2008 für das Erreichen den EM-Endspiels 150 000 Euro pro Mann, pro Nominierung für ein WM-Qualifikationsspiel gab es 20 000 Euro. Die Prämien für die WM in Südafrika sind noch nicht verhandelt.

"Fußball ist eine andere Welt", sagt Dahlhaus. Und Dreibandbillard ist nun mal nicht medienträchtig, anders als zum Beispiel Snooker. "Snooker hat gerade in England eine riesige Fernsehpräsenz, das bringt viel Geld", weiß Dahlhaus. Ronnie O'Sullivan, Superstar und Enfant Terrible des Snooker, ist durch seinen Sport zum Millionär geworden.

Beim Dreiband gibt es für einen Sieg bei einem Weltcup-Turnier 5000 Euro, so ist auch der Einzel-WM-Titel dotiert, ein EM-Sieg bringt 3000 Euro. Einzig beim AGP-Turnier gibt es reichlich zu verdienen, bis zu 30 000 Euro. Martin Horn hat es dabei in die Endrunde geschafft. "Das Turnier wird von einem Privatsponsor unterstützt, der Billard liebt", weiß Dahlhaus.

Die Dreiband-WM in Viersen wird von vielen regionalen Geldgebern getragen. "Ohne diese Hilfe wäre die WM nicht zu stemmen", sagt Viersens Bürgermeister Günter Thönnessen. Der Etat des Turniers: 70 000 Euro. "Damit gehen wir plus minus Null raus. Für üppige Preisgelder bräuchten wir Großsponsoren", weiß Dahlhaus. Die gibt es aber nur, wenn es viel Fernsehzeit gibt, doch werden meist nur wenige WM-Minuten gezeigt – oft sogar zeitversetzt.

Keine Aussicht also für die Spieler, künftig bei der WM Kasse zu machen. So ist die Reise nach Viersen eine Frage der Ehre. "Es ist ein besonderes Gefühl, mit dem Adler auf der Brust zu spielen", sagt Martin Horn. "Wenn es aber ein Dutzend Turniere wie in Viersen geben würde, wäre es ein Problem", fügt er diplomatisch hinzu.

Quelle: RP

 
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