Malen mit einer Raupe
VON ELFIE VOMBERG - zuletzt aktualisiert: 27.09.2006Golf Er läuft vor, hängt seine Schüler ab und treibt sie zur Eile an. David Ashton ist 59 Jahre alt. Je älter er wird, desto mehr nimmt der Sportler sich vor. Früher war er nur Golflehrer. Inzwischen ist er nicht mehr nur Sportler und Motivationstalent, sondern auch Künstler geworden. Wenn er seine Kurse auf dem Golfplatz gegeben hat, sich vielleicht selbst anschließend noch eine Runde mit 18 Löchern gönnt, ist für Ashton danach längst noch nicht Schluss. Der gebürtige Engländer ist wohl das, was man als „Workaholic“ bezeichnet. Der Golfplatz ist für ihn nicht nur Beruf und Hobby, sondern auch seine ganz persönliche Leinwand, an der er sich austoben kann.
Den Boden modellieren
Seit einigen Jahren gestaltet David Ashton in seiner Freizeit nämlich Golfanlagen. Während der Maler Pablo Picasso den Betrachter mit seiner außergewöhnlichen Farbgebung fesselt, gibt es für David Ashton nichts schöneres, als Hügel zu platzieren und Rasen zu verlegen. „Ich male mit einer Raupe und modelliere den Boden. Während der Maler einen Schritt von der Leinwand zurücktritt, betrachte ich mein Werk aus 300 Metern Entfernung“, erzählt der Engländer. Doch es gehört ein bisschen mehr als eine künstlerische Ader dazu: Wenn er abends mit dem Zeichenbrett zu Hause sitzt und Wasserläufe, Roughs und Bunker platziert geht es nicht nur um ästhetische Aspekte: „Ich besinne mich dabei natürlich auch auf meine Erfahrungen als Golfer und Schiedsrichter“, so Ashton, der bereits auf 42 Jahre Erfahrung auf dem Platz zurückblicken kann. Seine erste entworfene Golfanlage baute er in England. „Das hat mich so glücklich gemacht, dass ich unbedingt weiter machen musste“, sagt der Golfplatzarchitekt. Weiter ging es dann bei seinem letzten Projekt in der Nähe von Bonn auf einer Schlossanlage. „Stellen Sie sich vor, Sie haben einen kleinen Garten und richten den mit Brücken und einem Teichlauf schön her. Das macht zufrieden und so eine riesige Golfanlage macht einen dann natürlich noch viel zufriedener“, schwärmt er.
Durch seine Arbeit als Golf-Schiedsrichter ist er inzwischen sogar Berater für Golfprofis von morgen geworden. „Alles was mit Golf zu tun hat, macht mir einfach Spaß. Ich fühle mich wohl in meinen verschiedenen Rollen auf dem Platz“, erklärt Ashton. Seine Ruhe findet der Workaholic jedoch nur in seiner Heimat Slough (Nähe Windsor), wo er das Golfspielen von seinem Vater, der damals Greenkeeper war, lernte. „Ich konnte kaum gehen, habe auf dem Platz mit Kaninchen gespielt, bin den Bällen hinterher gejagt. Und plötzlich war ich Golfspieler“, erklärt er lachend.
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