Fußball: Von Krise keine Rede
VON STEPHAN MANGELS - zuletzt aktualisiert: 14.03.2008Trainer Jörg Vollack schwankt beim 1. FC Viersen die Stimmung zu schnell vom Positiven ins Negative. Die Situation ist schwierig, aber es gibt ein probates Mittel gegen die Sorgen: einfach gewinnen.
Trotz sechs siegloser Spiele in Folge wollen die Verantwortlichen am Hohen Busch von einer sportlichen Krise nichts wissen. „Unsere Situation ist schwierig, aber wir stützen alle unsere Spieler. Bisher war es immer unsere Stärke, Ruhe zu bewahren. Und so wird es auch diesmal sein“, stellt der 1. Vorsitzende des Verbandsligisten 1. FC, Klaus Fleßers, vor dem wichtigen Heimspiel gegen Ratingen klar.
In Viersen dreht sich alles um die Frage des Gewinnens. Aber wie? „Wir müssen unsere Kräfte bündeln, dreifach punkten – und Ende. Der Begriff Krise ist für mich einfach falsch“, ist für Trainer Jörg Vollack die Ausgangslage recht einfach. Ohnehin wird ihm zu schnell vom Positiven ins Negative (und umgekehrt) geschwenkt. „Das ist die berühmte Sache mit dem halbvollen oder halbleeren Glas“, versucht Vollack zu verdeutlichen.
Blick auf Tabelle erklärt die Lage
Beim Blick auf die Tabelle kann man dies besser verstehen. Der Abstand auf die Abstiegsregion beträgt vier Punkte. Nicht viel. Aber zum Tabellensiebten aus Solingen sind es auch nur vier Punkte, zum kommenden Gegner fünf – auch nicht viel. Umso wichtiger wäre der erste Sieg im neuen Jahr. „Das Leistungsvermögen in der Verbandsliga ist mit Ausnahme von zwei Mannschaften nah beieinander“, weiß der Coach, dass Viersen auch einen so unbequemen Gegner wie Ratingen bezwingen kann.
Sportlich gesehen gehört der 1. FC aktuell auf den neunten Tabellenplatz. Tabellarisches Niemandsland eben. Aber eine realistische Einschätzung des Viersener Leistungsvermögens über eine ganze Spielzeit. Doch wegweisend in den kommenden Wochen wird sein, wie der FC sein fehlendes Selbstvertrauen in den Griff bekommt. „Hier sind zunächst einmal Mannschaft und Trainer gefordert. Ich selbst war vor der Rückrunde in der Kabine und habe auf die Situation hingewiesen“, nimmt Fleßers die Hauptakteure in die Pflicht. Die Erfolgsgeschichte der Hinrunde zeigte allen jedenfalls, wozu die Rot-Weißen in der Lage sind.
Womit das nächste Problem offenkundig wird: der recht dünn besetzte Kader. „Wenn wir erfolgreich sein wollen, muss einfach alles passen. Die Leistung und auch, dass mir alle Spieler zur Verfügung stehen“, ist Vollack realistisch. Gibt es Ausfälle, ist der 1. FC nur bedingt bis gar nicht in der Lage, diese zu kompensieren. Scheint da nicht ein konsequenter personeller Schnitt am Saisonende unumgänglich zu sein? Muss man sich nicht auch mal von langjährigen Spielern, deren Leistungskurve nach unten zeigt, trennen? „Zu Personalfragen äußere ich mich nicht“, stellt Vollack klar. „Es hat sich bestimmt ein gewisser Schlendrian eingeschlichen. Denn eins ist auch klar: Spiele wie gegen Düsseldorf-West und Moers muss man einfach nach Hause schaukeln“, sagt Klaus Fleßers. Ein Sieg gegen Ratingen könnte wie ein Befreiungsschlag wirken und den 1. FC in die Erfolgsspur zurückführen. Fußball kann so einfach sein.
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