Willich: Action im Stahlwerk
VON NATASCHA BECKER - zuletzt aktualisiert: 13.07.2007Willich (RPO). Aller guten Dinge sind drei. In Willich standen neben Kino auch Musik und Trödeln auf dem Abendprogramm.
Lange Reihen von Pappkartons stehen dicht nebeneinander und bilden Gassen. Da füllen Videos die Kartons, hier sind es Schallplatten und dort Bücher. Eine andere Kiste quillt vor Plüschtieren über. Auf einem Taperziertisch geben sich Porzellan, Gläser und Schmuck ein Stelldichein und über mehreren, nebeneinander stehenden Pavillons lockt ein großes Schild mit der Aufschrift „Hey Leute, kauft beim Trödler Abraham“. Die Halle 4 im Willicher Stahlwerk Becker hat sich in einen großen Trödelmarkt verwandelt.
Dazu sind inmitten der gewaltigen alten Stahlkonstruktion fetzige Rockstücke zu hören. Doch die kommen nicht aus der Konserve, sondern von der kleinen Bühne am Hallenrand. Die Essener Gruppe „Pye“ rockt dort ab. Zahlreiche Besucher bummeln entlang der Stände, feilschen um Preise, bleiben vor der Bühne stehen, essen ein Eis oder ein Grillwürstchen und ab und zu fällt der Blick auch auf die große, mit rot-weißen Flatterband abgesperrte, noch leere Hallenecke. Bis sie belebt wird, dauert es noch ein bisschen. Dafür muss erst die Sonne hinter den hohen Hallenfenstern verschwunden sein.
Stahlwerk Becker
Das Stahlwerk Becker in Willich wurde zwischen 1908 und 1918 errichtet. Nach knapp 30 Jahren endete das Stahlkochen, und die Anlage wurde demontiert. Die britische Rheinarmee zog ein. Seit deren Abzug wird das Gelände wieder einer gewerblichen Nutzung zugeführt.
Gleich drei Attraktionen bot am Mittwochabend die Veranstaltung in der Halle 4 im Stahlwerk Becker an. Im Rahmen der „FilmSchauPlätze NRW“ zeigte die Filmstiftung NRW den Kinofilm „Ganz oder gar nicht“. Doch zuvor gab es noch ein Rahmenprogramm, das neben Trödel und Livemusik durch „Pye“ und die Formation „Fallen-Penny“ durch eine weitere Aktion auffiel. Die Schlossfestspiele verlosten Eintrittskarten und Souvenirs. Darunter brachte Bernd Plöger auch die rüschenbesetzten Unterhosen vom Kaiser (Theaterstück „Des Kaisers neue Kleider“) unter die Besucher. Um zu gewinnen, brauchte man nur die richtige Nummer auf seinem Flyer zu haben. Die verteilten Bürgermeisterreferent Manfred Jacobs und Nadine Caris von der Schüler-Union fleißig am Halleneingang. Allerdings war bei 500 Schluss. „Mit mehr Besuchern haben wir gar nicht gerechnet“, meinte Jacobs, der sich sehr freute, dass die Zahl getoppt werden konnte. Allein zur Filmaufführung kamen über 600 Gäste.
Dann ist es soweit. Die Leinwand hängt quer in der Hallenecke, 350 Sitzgelegenheiten sind aufgebaut. Immer mehr Besucher strömen zur Leinwand, etliche mit eigenen Klapp- und Campingstühlen ausgerüstet. In den zerbrochenen Scheiben der Halle spiegelt sich das Licht der untergehenden Sonne. Das Startzeichen für den Vorfilm, ein Dokumentarfilm über den spanischen Ort Benidorm. Eine Viertelstunde Rundgang durch die Stadt, dann erobern die arbeitslosen Stahlarbeiter von „Ganz oder gar nicht“ mit ihrer skurrilen Striptease-Schau die Leinwand. Lacher und Szenenapplaus sind garantiert.
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