Willich: Armut in Zogoree hautnah
VON STEFAN FINGER - zuletzt aktualisiert: 07.02.2007Willich (RPO). Patricia Goltz zeigt auf dem Globus: „Da geht’s hin.“ Die Schülerin der Gesamtschule Willich reist mit acht weiteren Schülern und vier Lehrern der Gesamtschule und des Schiefbahner Gymnasiums nach Zogoree in Burkina Faso.
Acht Tage dauert die Reise. „Ich bin schon ganz aufgeregt und kann mir gar nicht vorstellen, dass ich heute in einer Woche schon in Zogoree bin.“ Burkina Faso gehört zu den drei ärmsten Ländern der Welt. Eine Woche wird sie das Leben in dem westafrikanischen Land weitab von Fernsehen, Internet und Handy erleben. „Ich werde bestimmt ganz traurig und erschrocken sein, wenn ich das dort alles in der Realität sehe“, glaubt Patricia. Erschrocken war sie auch von den Briefen aus Zogoree, die sie schon gelesen hat. „Da haben die Männer mehrere Frauen, und die Familien haben sehr viele Kinder.“
Kirsten Jensen war schon vor drei Jahren in Zogoree. Beigeistert war sie vor allem von der Gastfreundschaft: „Die Menschen haben so wenig und würden selbst das letzte Hemd mit dir teilen“, erzählt sie immer wieder. „Wir in Deutschland können uns kaum vorstellen, was richtige Armut ist.“ Dass sie in der Woche auf vieles verzichten musste, war für sie kein Problem: „Man kann sich eigentlich mit allem abfinden. Da kommt das Wasser halt nur tröpfchenweise aus der Dusche, und Toiletten gibt’s auf dem Weg auch nicht, aber so richtig vermisst habe ich eigentlich nur den Karneval.“
Für ihre zweite Reise nach Zogoree erhofft sie sich, dass sie jetzt offener mit den Menschen umgehen kann: „Ich wusste vor drei Jahren gar nicht so recht, wie ich auf die Menschen zugehen soll. Es war ein ein beklemmendes Gefühl“, erinnert sie sich.
Seit drei Jahren ist Patricia in der Afrika-AG der Willicher Robert-Schuman-Gesamtschule, die 2003 eine Schulpartnerschaft mit dem Collège d’Enseignement Général in Zogoree ins Leben gerufen hat, angelehnt an die Städtepartnerschaft zwischen der Stadt Willich und dem Departement Zogoree. „Bezeichnend fand ich, dass sich die meisten Schüler das Mittagessen in der Cafeteria für zwölf Cent am Tag nicht leisten konnten“, erzählt sie. Um die Reise zu finanzieren, hat sie mit ihren Mitschülern bei jeder Gelegenheit Waffeln und belegte Brötchen verkauft.
Über 350 Stunden, schätzen die Schüler, hat jeder von ihnen schon in die Reise investiert, sei es beim Arzt, in der AG oder beim Waffeln- oder Brötchenverkauf. Etwa 350 Euro musste Patricia nun noch selbst aufbringen. Um das Geld zu verdienen, hat sie zum Beispiel gekellnert und Nachhilfe gegeben.
Die Arbeit hört mit der Reise nach Zogoree jedoch nicht auf: „Die Schüler werden in Kleingruppen mit afrikanischen Jugendlichen unter anderem Pflanzenlöcher für neue Bäume anlegen und das Sportfeld der Schule verbessern. Für uns steht aber auch das interkulturelle Lernen im Fordergrund“, erklärt Gesamtschullehrer Ben Asdonk. RP-Mitarbeiter Stefan Finger wird Kirsten und Patricia auf ihrer Reise begleiten und über ihre Erfahrungen berichten.
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