Stadt Willich: Bachelor mit Burkina Faso
VON ANDREAS CÜPPERS - zuletzt aktualisiert: 31.01.2009Stadt Willich (RPO). Rund anderthalb Jahre beschäftigten sich drei Studenten mit der Partnerschaft Willich-Zogorée. Sie starteten eine Sozial-Marketing-Kampagne und steigerten damit unter anderem die Bekanntheit der Partnerschaft.
Josef Heyes hat in seiner Brieftasche zwei Fotos vom Kilimandscharo. Die hat er selbst gemacht, als er mit dem Flugzeug über den höchsten Berg Afrikas flog. "Ich hatte Glück mit dem Wetter", sagt der Willicher Bürgermeister. So sehr ihn die Aufnahmen freuen, so sehr ärgert ihn, wenn Betrachter der Bilder bisweilen davon ausgehen, Heyes hätte sie bei einem Besuch in Willichs Partnerdistrikt Zogorée in Burkina Faso gemacht. Tausende Kilometer entfernt vom Kilimandscharo. "Das zeigt mir, dass noch viel Aufklärungsbedarf besteht über die Partnerregion", sagt Heyes.
Wissen, Einstellung und Verhalten
Insofern dürfte den Bürgermeister das Ergebnis einer Sozial-Marketing-Kampagne von drei Studenten der Heinrich Heine-Universität Düsseldorf gefreut haben. Nora Wächter, Holger Harms und Stefan Finger haben sich im Rahmen ihrer Bachelorarbeit im Fach Sozialwissenschaften mit der Partnerschaft Willich-Zogorée auseinander gesetzt. Ziel war, herauszufinden welche Effekte eine Sozial-Marketing-Kampagne haben kann. "Die Theorie besagt, solche Kampagnen können das Wissen, die Einstellungen und das Verhalten einer Zielgruppe verändern", erklärt Stefan Finger.
Abschlussnote 1,5
Partnerschaft Seit 1985 besteht die Partnerschaft zwischen Willich und dem Departement Zogorée in Burkina Faso.
Finanzierung Die Kampagne finanzierte sich über Spendengelder. Der Überschuss nach Abzug aller Kosten von rund 1500 Euro geht an den Förderverein.
Benotung Die drei Studenten haben für ihre Bachelorarbeit die Note 1,5 erhalten.
Einladung Die Studenten wurden bereits vom Deutschen Entwicklungsdienst eingeladen, um ihre Ergebnisse vorzustellen.
Um die Theorie zu überprüfen, haben die Studenten eine umfangreiche Studie durchgeführt, die bereits im November 2006 begann. In der Fußgängerzone wurden 379 Bürger über die Partnerschaft befragt. Das Ergebnis: 50 Prozent der Willicher kennen die Partnerschaft, das Wissen darüber ist eher durchschnittlich, die Bereitschaft, die Entwicklungszusammenarbeit zu unterstützen dagegen recht hoch.
Mit Hilfe der Kampagne sollte nun versucht werden, an diesen Werten etwas zu verändern. Eine Delegation – ergänzt mit Willicher Schülern – reiste nach Burkina Faso. Daheim folgten insgesamt 35 Zeitungsartikel über das Leben in Zogorée und die Erfahrungen der Willicher, die vor Ort waren. "Außerdem haben wir Plakate gedruckt, Flyer verteilt und die Partnerschaft in Schulen vorgestellt", erzählt Stefan Finger.
Eine Ausstellung über das Leben in Willichs Partnerdistrikt im Stahlwerk Becker war einer der Höhepunkte der Kampagne. Allein 20 Schulklassen ließen sich durch die Ausstellung führen. Dazu gab es Trommelworkshops, Kochkurse und Vorträge sowie Musikveranstaltungen.
Im Rahmen einer zweiten Erhebung mit 261 Befragten zeigte sich, dass die Bekanntheit der Partnerschaft um 20 auf nun 70 Prozent gestiegen war. Auch die Einstellung gegenüber der Entwicklungshilfe verbesserte sich. 90 Prozent der Befragten befürworteten diese. Einzig das Verhalten blieb unverändert. Das haben die Studenten anhand der gleichbleibenden Spendengelder für den Förderverein Partnerschaft Willich-Zogorée festgestellt.
Bürgermeister war Schirmherr
"Dass das Spendenaufkommen gleich geblieben ist, würde ich als Erfolg werten", sagte Bürgermeister Heyes. Er hatte die Schirmherrschaft der Kampagne übernommen. Vielleicht auch, weil seine Bilder nun richtig zugeordnet werden können. Frage des Tages
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