Stadt Willich: Brunnen und kleine Gärten
VON NADIA JOPPEN - zuletzt aktualisiert: 11.11.2006Stadt Willich (RPO). Es sind die Erfolge in kleinen Schritten, die für Hans und Marlies Grips aus Schiefbahn zählen: Erfolge in der Region Zogoree in Burkina Faso, für die Willicher und Linseller Bürger seit rund 20 JahrenEntwicklungshilfe leisten.
Kinder sammeln
Der Förderverein Willich-Zogoree-Linselles bekommt vor allem von Willicher Schulen Hilfe. Die Kinder sammeln Geld über Sponsorenläufe oder andere Aktivitäten. Dazu wird bei Geburtstagen und Jubiläen Geld gesammelt oder es gibt praktische Hilfe wie die Spende von Möhrensamen der Hans Brocker KG: Diese Spende sei im Frühjahr nach Afrika gebracht worden, im nächsten Februar werde zu sehen sein, was daraus geworden ist, schildert Grips.
Wer die Arbeit unterstützen möchte, bekommt Infos unter Telefon 02154/5611.
In dem Distrikt in einem der ärmsten Länder Afrikas, geprägt von der Hitze und Trockenheit der Sahel-Zone, gibt es jetzt 14 Basis-Schulen für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Die Menschen dort haben Trinkwasserbrunnen gebohrt und kleine Gärten angelegt, in denen sie ihre eigene Nahrung anbauen – und sie wollen weiterkommen: Die weiterführende Schule, das College, ist mittlerweile so beliebt, dass es zweizügig werden soll. Auch die vor zwei Jahren eröffnete landwirtschaftliche Schule zeige erste Erfolge, schildert Hans Grips vom Förderverein Willich-Zogoree-Linselles. Er ist zufrieden mit der Bilanz nach 15 Jahren Dreier-Städtepartnerschaft zwischen der deutschen, der französischen und der afrikanischen Stadt. Auch dieses Jubiläum wird am nächsten Wochenende in Willich gefeiert, zusammen mit der 40-jährigen Partnerschaft Willich-Linselles.
Aber Grips ist Realist: Für einen durchgreifenden Erfolg der Hilfe brauche der Verein noch eine Generation, denn große Veränderungen überforderten die Bewohner des Distrikts. Auch die große Hitze führe einfach dazu, dass viele Dinge langsam erledigt werden, das spürten die Willicher bei ihren jährlichen Besuchen am eigenen Leib. Begonnen hat der Verein im Jahr 1985, als die Bilder der Dürre-Katastrophe in der Sahel-Zone nach Europa kamen: „Das hat uns so berührt, dass wir dachten, wir wollen etwas Konkretes tun, um zu helfen“, erinnert sich Grips. Er fand in Schiefbahn etwa 50 Freunde, die ihn und seine Frau Marlies unterstützten. Über die Welthungerhilfe entstand der Kontakt zu dem Distrikt in Burkina Faso. Grips reiste zuerst mit dem bereits gestorbenen Michael Jantzen dorthin: „Wir haben Hunger und Durst gesehen, alle Kinder hatten dicke Hungerbäuche“, schildert er. Zurück in Deutschland waren sich alle einig, dass Hilfe zur Selbsthilfe richtig sei – und so begann zuerst der Aufbau der Trinkwasser-Versorgung.
Der Willicher Rat entschied sich im Mai 1985 für eine „Städte-Patenschaft“. Die Franzosen kamen hinzu, als Gäste aus Linselles afrikanische Besucher auf einem Erntedankfest auf dem Gripshof im Schiefbahner Unterbruch trafen. Seither teilen sich die europäischen Städte die Schwerpunkte der Entwicklungshilfe, und 1991 wurde die offizielle Dreier-Partnerschaft geschlossen. Die Hauptantriebskraft in Zogoree seien die Frauen, die die Gärten bestellen, schildert Marlies Grips. Die Männer gingen häufig zur Arbeit in weit entfernte Städte – und bringen von dort ein neues Problem mit: Mittlerweile sind rund 30 Prozent der Menschen HIV-infiziert.
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