Willich: Ein Bild für Estland
VON NATASCHA BECKER - zuletzt aktualisiert: 23.09.2008Willich (RPO). Die Evangelische Kirchengemeinde St. Tönis schickt ein Bild auf Wanderschaft. Ein Werk von Eduard von Gebhardt geht in ihre estländische Partnergemeinde St. Johannis Järva-Jaani. Dort wurde der Maler 1838 geboren.
Maler Gebhardt
Eduard von Gebhardt wuchs in Estland auf. Nach einem dreijährigen Studium an der Kunstakademie in St. Petersburg ging er 1858 nach Düsseldorf, wo er 1873 Professor an der Kunstakademie wurde. Er übernahm unter anderen die Ausmalung der Düsseldorfer Friedenskirche, die allerdings dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel.
St. Tönis Noch können es die Gemeindeglieder der Evangelischen Kirchengemeinde St. Tönis in ihrem Pfarrbüro anschauen, aber bald müssten sie dafür 1500 Kilometer reisen. Die Rede ist von einem ganz besonderen Bild, einem Werk des Malers Eduard von Gebhardt. Die Kirchengemeinde bringt das Bild nämlich Anfang Oktober in ihre Partnerschaftsgemeinde St. Johannis Järva-Jaani in Estland.
Der Zufall half
Und damit hat es eine ganze besondere Bewandtnis. Gebhardt, der Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie war, starb am 3. Februar 1925. Er liegt auf dem Ehrenfriedhof der Stadt Düsseldorf begraben. „Aber gebürtig stammt er aus St. Johannes. Er wurde dort am 16. Juni 1838 im Pastorat geboren. Sein Vater war nämlich der damalige Pfarrer“, berichtet der St. Töniser Pfarrer Renz Schaeffer. Bei Besuchen der estnischen Gemeinde fand Schaeffer es immer schade, dass im Pastorat, wo in einem eigenen Raum Sachen von Gebhardt gesammelt werden, kein einziges Original zu finden ist. Dem wollte er gerne abhelfen. Doch wie an ein erschwingliches Original des Malers kommen?
Hier half der Zufall weiter. Gemeindemitglied Helene von Schilling, die als Baltendeutsche auch die Initiatorin der Partnerschaft mit St. Johannes vor 15 Jahren war, unterhielt sich bei einem Treffen deutsch-baltischer Frauen über den Maler und die Suche nach einem Bild. Das kam der Krefelderin Sabine Wengst zu Ohren. „Ich war ganz erstaunt, als sie auf mich zukam und uns eins ihrer beiden Werke von Gebhardt anbot“, erinnert sich von Schilling. In der St. Töniser Gemeinde wurde für das Bild, das 2000 Euro kosten sollte, gesammelt. Im April erwarb die Kirchengemeinde das Bild, um es anschließend zur Restaurierung nach Düsseldorf zu geben. „Es war verschmutzt und einige Stellen mussten farblich ausgebessert werden. Dazu brauchte es einen neuen Rahmen“, so Iris Gutbrod vom Partnerschaftsausschuss der Gemeinde.
Die Echtheit des Gebhardts hatte sich Pfarrer Schaeffer vorab vom Museumsleiter in Goch, der selber eine kleine Sammlung des Malers hat, bestätigen lassen. Anfang September nun waren die Restaurationsarbeiten abgeschlossen und das 60 mal 54 Zentimeter große Gemälde zog auf eine Staffelei im Pfarrheim um. Dort bleibt es noch bis Ende des Monats. Dann geht es per Kurier nach St. Johannes. Zeitgleich reist eine Delegation, bestehend aus von Schilling und dem Kirchmeister Dr. Hans-Joachim Riechers mit Ehefrau nach Estland. Am 5. Oktober soll das Bild der estnischen Kollegin von Schaeffer, Katrin Melder, überreicht werden.
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