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Willich: Ein Bild für Estland

zuletzt aktualisiert: 08.10.2008

Willich (RPO). Eine Delegation der Evangelischen Kirchengemeinde St. Tönis war auf Reisen. Sie brachte der estländischen Partnergemeinde ein Bild von Eduard von Gebhardt. Die Gruppe hat eine Menge erlebt.

Info

Das tägliche Leben

Der Besuch erlaubte auch einen Einblick in das Leben der Menschen in Järva-Jaani. „Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation und vielen Alltagssorgen wurden wir mit großer Offenheit und Herzlichkeit empfangen.“ zieht Helene von Schilling ein Resümee der Reise. „Die Menschen in Estland haben auch in schweren Zeiten die Hoffnung auf ein Leben in Freiheit und Eigenverantwortung nie aufgegeben. Sie haben ihre Anliegen selbst in die Hand genommen und sie haben ein unbändiges Durchhaltevermögen. An dieser Einstellung können wir uns ein Beipiel nehmen.“

St. Tönis (RP) Die Beziehungen der evangelischen Kirchengemeinde St. Tönis reichen weit. So pflegt sie seit vielen Jahren eine Partnerschaft mit Järva-Jaani, einer kleinen Gemeinde in Estland. Von dort stammt auch der Maler Eduard von Gebhardt (1838-1925), der einen großen Teil seines Lebens in Düsseldorf tätig war. Schon lange wünschte sich Pfarrer Renz Schaeffer, der Kirchengemeinde in Järva-Jaani ein Originalgemälde des Malers zu schenken, damit es im dortigen Pastorat, der Geburtsstätte des Malers, einen würdigen Platz findet. Nun ging dieser Wunsch in Erfüllung. Eine Delegation aus St. Tönis machte sich mit einem Originalgemälde – fachmännisch restauriert und neu gerahmt – auf den weiten Weg nach Estland.

Als „Reiseführerin“ betätigte sich Helene von Schilling, die aus Estland stammt. Mit von der Partie waren auch Kirchmeister Dr. Hans-Joachim Riechers und seine Frau Elke. In einem Gottesdienst wurde das Gemälde offiziell überreicht.

Traditionell herrschte in Estland die evangelisch-lutherische Konfession vor. Aber nach 50 Jahren unter sowjetischer Herrschaft war das Gemeindeleben fast ganz zum Erliegen gekommen. Mit einem kaum vorstellbaren Idealismus wird es nun wiederbelebt. In Järva-Jaani leben 1800 Menschen, davon gehören mittlerweile wieder gut 400 der evangelischen Kirche an.

Bei der Finanzierung ihrer Arbeit sind die Gemeinden ganz auf sich gestellt. Von den Mitgliedern wird die Zahlung eines freiwilligen Kirchgeldes in Höhe von einem Prozent des Einkommens erwartet. Aber längst nicht alle können das Kirchgeld bezahlen. „Letztlich sind es nur 140 Menschen, von denen wir regelmäßig das Kirchgeld bekommen. Davon können wir unsere Gemeindearbeit jedoch nicht bezahlen“, erzählte Pastorin Katrin-Helena Melder. „Deshalb sind wir auf Hilfe unserer Partnergemeinde in St. Tönis angewiesen.“

Knappe Finanzen

Dass die Gemeinde in Järva-Jaani es versteht, Unterstützung zu gewinnen, hat sich schon unter der damaligen russischen Führung gezeigt: Rein Köster, der heutige Vorsitzende des Gemeinderates, berichtete, dass sogar ein hoher Funktionär der kommunistischen Partei eine Spendenaktion für die Reparatur des Kirchendachs organisierte. Heute beteiligt sich auch die Kommunalgemeinde an den notwendigen Arbeiten zur Renovierung der Kirche und ihrer Orgel.

„Das ist natürlich nur der äußere Rahmen“, betonte Pastorin Katrin-Helena Melder. „Im Mittelpunkt stehen aber unser christliches Miteinander, die Gottesdienste, die Hochzeiten, Taufen, Konfirmationen und Beerdigungen, die kirchliche Jugendarbeit und die seelsorgerische Betreuung der Menschen hier in Järva-Jaani.“ Nicht ohne Stolz verweist sie darauf, dass die Zahl der Gemeindemitglieder wieder steigt.

Frage des Tages

Quelle: RP

 
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