Tönisvorst: Für Senioren ist noch viel zu tun
VON WILLI SCHÖFER - zuletzt aktualisiert: 26.11.2008Tönisvorst (RPO). Das Thema Wohnen im Alter diskutierte der Ausschuss für Jugend, Soziales und Sport. Es wurden gute Ansätze und ein starkes Engagement von einigen Gruppen deutlich. Aber es bleibt auch noch viel zu tun.
Am Beispiel des neuen Altenheimes in Vorst wurde so manch beschwerlicher Weg aufgezeigt. Theorie und Praxis lagen doch erheblich auseinander. Für das Wittener Forschungsinstitut Geragogik sprach eingangs Dr. Dietmar Köster von einer „beispielhaften Altenarbeit“ in Tönisvorst. Das Institut hat sich in Tönisvorst das Ziel gesetzt, die Senioren zu einem stärkeren Mitspracherecht beim Wohnen oder bei anderen Verbesserungen ihrer Lebensqualität zu bewegen.
Einige Kritikpunkte
Der Gutachter stellte den Tönisvorstern ein gutes Zeugnis aus. Als Beispiel nannte er den Wunsch einer Vorsterin, die beim neuen Altenheim mitwirken wollte. Sie habe dabei sein und was bewegen wollen. „Unsere gemachten Erfahrungen sehen leider anders aus“, nannte Uwe Leuchtenberg (SPD) gerade beim Vorster Altenheim einige Kritikpunkte, die das Leben dort erschweren würden. Senioren mit Rollatoren könnten sich dort teilweise nur beschwerlich fortbewegen, so ließen sich die schweren Glastüren nur mit viel Mühe öffnen, nannte er als Beispiel. Und fehlende Bordsteinabsenkungen erschwerten die Spaziergänge zum gegenüber liegenden Friedhof.
Wohnraum
Derzeit gibt es in der Stadt Tönisvorst nur 16 seniorengerechte Wohnungen. Bis zum Jahr 2015 würden nach Angaben von Dr. Dietrich Engels mindestens 82, bis 2025 sogar 120 Wohnungen gebraucht.
Auch Altenberater Wolfgang Dannecker wünschte sich größere Initiativen der Heimleitung. So sei die Mitarbeit für einen Arbeitskreis ein beschwerliches Geschäft gewesen, seien folgerichtig nach einiger Zeit seine Kräfte erlahmt. Dass für die Senioren in den nächsten Jahrzehnten noch eine Menge zu tun ist, ging auch aus der von Dr. Dietrich Engels vorgestellten Pflegeplanung hervor. So fehle es vor allem an seniorengerechten Wohnungen. Im Vergleich zum Durchschnitt im Kreis Viersen sei ein erheblicher Nachholbedarf erkennbar.
Bedarfsdeckend erschienen Dr. Engels die zwei Begegnungszentren, die stationäre Pflege und die klinische Grundversorgung zu sein. Unbefriedigend sei das Angebot an Kurzzeitpflegeplätzen; aufgestockt werden müsste die Tagespflege für Senioren. Als unzureichend wertete der Experte die Fachberatung; wünschte sich ferner ergänzende Angebote bei den ambulanten Diensten. Zu überlegen sei noch eventuell in Kooperation mit der Stadt Willich eine gemeinsame Hospiz-Einrichtung.
Alternative Heimformen
Weitere Hilfen für an Demenz erkrankte Menschen wie ein Gesprächskreis oder ein Demenzcafé wären sinnvoll. Dr. Engels riet zum Abschluss, über alternative Heimformen nachzudenken – und nicht einfach die berechtigten Wünsche nach einem altersgerechten Wohnen „mit Beton zu beantworten.“
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