Tönisvorst: Gegen autofreien Ortskern
VON THEA ELBERTZ - zuletzt aktualisiert: 09.11.2011Tönisvorst (RP). SPD und Grüne denken über einen autofreien Vorster Ortskern nach und wollen es auf dem politischen Parkett diskutieren. Die Vorster Geschäftsleute reagieren bestürzt. Sie sind gegen solche Pläne.
Normalerweise ist der Vorster Marktplatz mit Pkw zugeparkt, ebenfalls Cleven- und Kuhstraße. Dass es auch anders geht, zeigte das Vorster Apfelfest, wo sich der Ortskern als attraktiver Erlebnisraum präsentierte.
Diese Erfahrung brachte SPD und Grüne auf die Idee: Man sollte einmal über einen autofreien Vorster Markt nachdenken. Ein entsprechender Antrag der Fraktionen liegt im Bau-, Energie-, Verkehr und Umweltausschuss am 30. November auf dem Tisch.
Etwa 600 Unterschriften
Die Vorster Geschäftsleute reagieren bestürzt und sprechen sich massiv gegen eine solche Schließung aus, betont Regina Bormann, Inhaberin der Markt-Apotheke. Die Einzelhändler befürchten, dass bei einer autofreien Zone die Kunden ausbleiben würden.
Beratung
Die Sitzung Die nächste Sitzung des Bau-, Energie-, Verkehrs- und Umweltausschusses findet am Mittwoch, 30. November, um 18 Uhr im St. Töniser Ratssaal, Hochstraße, statt.
Vorsitz Vorsitzender des Fachausschusses ist Helge Schwarz (SPD). stellvertretender Vorsitzender ist Christian Rütten (CDU).
Das zeige auch eine Umfrage, berichtet Frau Bormann. "Etwa 51 Prozent der Kunden der Markt-Apotheke kommen mit dem Auto und davon würde mindestens ein Drittel nach der Ortskernschließung nicht mehr in Vorst einkaufen", heißt es in einem Schreiben an Bürgermeister Thomas Goßen.
Außerdem sammelten die Geschäftsleute – betroffen sind neben der Apotheke auch ein Reisebüro, eine Eisdiele, eine Bäckerei, Kosmetikgeschäft, Schreibwarengeschäft, Blumenladen und ein Imbiss – Unterschriften gegen eine Ortskernschließung. Rund 600 seien zusammengekommen, schätzt Frau Bormann.
Die Reaktion der Vorster überrascht Joachim Kremser (SPD) nicht. Die gleiche Diskussion sei auch vor Jahren beim St. Töniser Kirchplatz aufgekommen. Heute wolle keiner mehr den Kirchplatz als Parkplatz. Allerdings gehe es SPD und Grüne auch nicht um den ganzen Vorster Ortskern.
Clevenstraße und Kuhstraße sollten offen bleiben, nur der Marktplatz sollte autofrei sein, meint Kremser. "Die Geschäfte müssen natürlich erreichbar bleiben." Vielleicht müssten alternative Parkflächen geschaffen werden. Zwei Argumente von Kremser und Jürgen Cox (Grüne) für einen autofreien Marktplatz: Die Gastronomie könne die Fläche nutzen, und für Grundschulkinder werde der Schulweg sicherer.
Apropos Sicherheit: Da hapert es auch für Regina Bormann im Ortskern. Das Problem seien aber nicht die parkenden Fahrzeuge, sondern die rasenden. Um der Ampel aus dem Weg zu gehen oder dem langsamen Bus werde der Weg durch den Ortskern schnell mal als Abkürzung genutzt. Morgens habe das Zeitschriftengeschäft zahlreiche Kunden, die auf dem Weg zur Arbeit hier schnell einkauften, am Abend sei der Imbiss ein Magnet.
Gestern erhielt der Bürgermeister das Schreiben der Geschäftsleute mit der Bitte um einen persönlichen Gesprächstermin. Die Zusage folgte auf dem Fuße, die genaue Terminabsprache folgt.
"Vorst aktiv": neue Parkplätze
Die Interessengemeinschaft "Vorst aktiv" kann sich unter gewissen Umständen mit dem autofreien Markt anfreunden. "Das geht nur, wenn entsprechend ortsnah neue Parkplätze entstehen", betont Vorsitzender Karl-Heinz Fruhen.
Entsprechende Pläne seien auch bereits vorhanden, auf einem Gelände an der Kuhstraße hinter dem Imbiss, weiß Fruhen. Er schlägt zur Finanzierung den Verkauf des brachliegenden städtischen Grundstücks an der Süchtelner Straße vor.
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