Willich: Gemeinschaft fesselt
VON NATASCHA BECKER - zuletzt aktualisiert: 27.08.2007Willich (RPO). Am Wochenende feierte der Stamm St. Tönis der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg sein 75-jähriges Jubiläum. Geboten wurden Ehemaligentreffen, Workshops, Lagerfeuer in der Jurte samt Stockbrotbacken und Frühschoppen.
St. Tönis Das Eingangtor ist beeindruckend. Mehrere Meter ragt die Holzkonstruktion samt Plattform in die Höhe, wobei an den oberen Seilen, die die Pfosten verbinden, Fahnen des Stamms St. Tönis der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) flattern. „Die ganze Konstruktion ist von unseren Pfadfindern gebaut worden und das ohne Nägel. Das Werk besteht nur aus Holz und Seilen und kann dementsprechend wiederverwendet werden“, erklärt Rainer Tetzlaff vom Vorstand der St. Töniser Pfadfinder voller Begeisterung. Dabei deutet er ein Stück weiter auf das nächste Werk, das am Ende der Wiese steht. Eine Tisch-Bank-Kombination mit Platz für acht Personen in der gleichen Bauweise.
Karrieren
Die Jüngsten im Alter zwischen acht und elf werden bei den Pfadfindern Wölflinge genannt. Es folgen die Jugendpfadfinder und die Pfadfinder. Von 16 bis 21 Jahre ist man ein Rover und danach kann ein jeder Leiter werden. Diese werden derzeit übrigens dringend gesucht. Mehr Informationen über die St. Töniser Pfadfinder gibt es unter
Die beiden Bauten ernten viele bewundernde Blicke von Besuchern, denn die gibt es zur 75-Jahr-Feier des Stamms auf dem Gelände des Pfadfinderhauses „Rotzenburg“ in St. Tönis reichlich. Im Mittelpunkt steht natürlich das Pfadfinderleben. Workshops in Seile knoten, das Vorstellen der Küchenkiste, der Aufbau von Zelten und die große Jurte mit Lagerfeuer in der Mitte – auf dem Außengelände der Rotzenburg geht es abenteuerlich zu. „Pfadfinder sein macht Spaß“, strahlt der neunjährige Lars und die um ein Jahr jüngere Sara stimmt ihm da begeistert zu. Das empfinden aber nicht nur die beiden Wölflinge so. Pfadfinder Tobias, seines Zeichens schon 16 Jahre alt und seit sieben Jahren dabei, erzählt mit leuchtenden Augen von Lagern, Wochenendfahrten und Truppstunden. „Es sind die gemeinsamen Erlebnisse. Man erfährt, was in der Gemeinschaft möglich ist, wenn alle mit anpacken. Das lässt einen nicht mehr los“, beschreibt Oliver Pasch seine Pfadfinderleidenschaft.
Mit acht Jahren ereilte ihn der Ruf der Wölflinge. Heute ist er 41 Jahre und immer noch Pfadfinder. Auch Tetzlaff kann sich vom Pfadfindertum nicht trennen. „Die Gemeinschaft, die ich als Kind erlebt habe, möchte ich heute an die Kids weitergeben“, berichtet der Leiter des Stamms St. Tönis. Es sei das Lernen des sozialen Engagement. Es komme nicht auf Leistung an, wie beim Sport. Da sei eine Gruppe, in der jeder entsprechend seiner Stärken zum Einsatz käme. Man ergänze sich. „Es gibt einen schönen Spruch und der heißt einmal Pfadfinder, immer Pfadfinder“, meint Ulfried Thissen dazu.
Und er muss es ja wissen, immerhin ist er 74 Jahre alt und seit 61 Jahren ein Pfadfinder, der mithilft, wo er kann. Lager mache er allerdings nicht mehr mit, er habe lange genug auf Gras geschlafen. Jetzt bevorzuge er ein bequemes Bett, schmunzelt der Senior.
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