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Willich: Gesichter des Islam

VON NADIA JOPPEN - zuletzt aktualisiert: 16.02.2008

Willich (RPO). „Den Islam“ gibt es nicht – das zeigt eine Ausstellung, die ab 29. Februar im evangelischen Gemeindehaus in Willich zu sehen ist. Sie zeigt Lebenswelten muslismischer Frauen – und der Plural ist das wesentliche Element.

Bereiten die Ausstellung in Willich vor (von links): Gülden Altinok-Küsters, Ingeborg Nabereit, Hildegard Teloy und Angela Parkhof-Klein.  Foto: RPO
Bereiten die Ausstellung in Willich vor (von links): Gülden Altinok-Küsters, Ingeborg Nabereit, Hildegard Teloy und Angela Parkhof-Klein. Foto: RPO

Die Diskussion um Frauen und Islam wird oft auf die Frage „Kopftuch oder nicht?“ reduziert – dabei hat das Leben der Frauen, die dem Islam angehören, in Deutschland viel mehr Aspekte. Die Wanderausstellung „Gesichter des Islam“, die ab Freitag, 29. Februar, im Gemeindehaus der Emmaus-Kirchengemeinde in Willich zu sehen ist, zeigt einige davon. Sie entstand im Rahmen eines theologischen Seminars zum interreligiösen Dialog an der RTWH Aachen. Das Konzept: Die Studenten fotografierten Frauen muslimischen Glaubens aus der Region Aachen als Porträts und erstellten jeweils eine Kollage mit Bildern aus ihrem Umfeld: Wohnung, Umgebung, Arbeitsplatz oder Fotos der Moschee.

„Die Betrachter sollen sich vorstellen, wie lebt diese Frau, wie möchte sie sich zeigen“, erklärte gestern Angela Parkhof-Klein von der Evangelischen Frauenhilfe, die die Ausstellung mit dem Verband der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) von St. Katharina und Mariä Rosenkranz betreut. Dazu hatten die Studenten einen Fragebogen erstellt, den die porträtierten Frauen beantworteten. Diese Aussagen sind in einem Begleitbuch zusammengefasst, das während der Ausstellung verkauft wird. So erklärt die 35-jährige Füsun Hanke, eine in Deutschland aufgewachsene Tochter türkischer Eltern, die mit einem Christen verheiratet ist: „Ich habe die Werte des Islam in mein Leben so eingebaut, dass sich das in meinem Tun und Handeln widerspiegelt“ – und sie trägt kein Kopftuch.

Info

Die Schau

Aus dem Seminar heraus wechselte die Verantwortung für die Ausstellung zur evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover. Der Katholiken- und der Pastoralrat des Kreises Viersen holten sie in die Region.

Sie wird gezielt in drei Städten gezeigt, in denen es auch islamische Gemeinden gibt: in Viersen, Willich und Nettetal.

Die Willicher Ausstellung wird am 29. Februar um 19 Uhr mit einem Fest eröffnet, danach ist sie am 2. März von 10.30 bis 12 Uhr und vom 3. bis 6. März jeweils von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

Die Adresse: Gemeindehaus der Ev. Emmaus-Kirchengemeinde, Krusestraße 20 in Willich.

Der schwierige Dialog

Für Hildegard Mazyek ist der Islam „nicht nur eine Religion, sondern umfasst alle Lebensbereiche“. Die heute 61-Jährige ist seit 37 Jahren mit einem aus Syrien stammenden Moslem verheiratet. Sie trat zum Islam über, hat sieben Söhne, die Familie engagiert sich in ihrer Moschee – und sie trägt das Kopftuch. Die Willicher Frauengruppen haben die muslimischen Frauen aus Willich in die Ausstellungsorganisation integriert: Bei der Eröffnungsveranstaltung am 29. Februar werden drei Muslima jeweils eine Frau vorstellen – und erklären, warum sie sich für diese Frau und ihre Überzeugung entschieden haben. Dazu suchen sie eine passende Musik aus, und die aus Albanien stammende Sopranistin Vjollca Haxhin wird ein Lied vortragen.

Die Willicherin Gülden Altinok-Küsters ist eine der drei. Sie erklärt, warum der Dialog zwischen Deutschen und Moslems so schwierig ist: „Weil die islamische Menschen in vielen Verbänden unterschiedlicher Ausrichtung organisiert sind.“ Das zeigt der Blick auf Viersen und Willich: Die Willicher Gemeinde orientiert sich an der „miligöruz“, die Viersener Gemeinde an der „Diyanet“ – einer türkischen Regierungsbehörde für religiöse Angelegenheiten.

Quelle: RP

 
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