Willich: "Heimatinvest" gestartet
VON ANDREAS CÜPPERS - zuletzt aktualisiert: 30.11.2010Willich (RPO). Bürger, die der Stadt Willich Geld leihen möchten, können inzwischen das erforderliche Konto bei der biw-Bank eröffnen. Die Bank gibt der Stadt dann ein Darlehen, mit dem der Mensabau in Schiefbahn finanziert wird.
Stadt Willich Das Vorhaben hat für viel Aufsehen gesorgt und ein bundesweites Medienecho hervorgerufen. Bürgermeister Josef Heyes gab zahlreiche Interviews für Printmedien, Radio- und Fernsehsender und war sogar Studiogast bei "Stern TV" mit Günther Jauch. Dass die Stadt Willich, deren erster Bürger Heyes ist, sich Geld von ihren Bürgern leihen möchte, um ein Projekt zu finanzieren, ist durchaus ungewöhnlich. "Heimatinvest" haben die Stadt und die biw-Bank für Investments und Wertpapiere AG das Projekt genannt, das nun in die konkrete Phase geht.
Seit zwei Wochen hat die Bank auf ihrer Internetseite einen Bereich freigeschaltet, der über das Projekt informiert. Die Idee: Bürger eröffnen bei der Bank ein Konto, zahlen eine Summe Geld ein und die Bank stellt der Stadt Willich das von den Bürgern investierte Geld anschließend als Darlehen zur Verfügung. "Die Konto-Eröffnung ist ab sofort möglich", sagt biw-Vorstand Michael Heinks. "Mit der Darlehensvergabe beginnen wir dann im kommenden Jahr."
So geht es
Konto Wer sich für das Bürgerdarlehen interessiert, kann ein Konto bei der biw AG eröffnen und dann den gewünschten Betrag auf das Konto überweisen.
Internet Das Konto kann man im Internet unter www.heimatinvest.de/content/willich eröffnen.
Vor Ort Man kann aber auch persönlich bei der Bank vorbeischauen: Haus Broich, Hausbroicher Straße 222, Anrath. Um telefonische Terminabsprache unter Tel. 02156 4920140 wird gebeten (Montag 9.30 bis 12.30 Uhr und Donnerstag 15 bis 18 Uhr)
Bis zum 16. Januar 2011 besteht die Möglichkeit, ein Konto bei der Bank zu eröffnen. Der Mindestanlagebetrag liegt bei 5000 Euro, darüber hinaus geht es in 1000-Euro-Schritten weiter. Das Geld wird für 20 Jahre angelegt und jährlich mit garantierten 3,6 Prozent verzinst. "Im Grunde genommen ist Heimatinvest wie eine sofort beginnende Rentenversicherung", sagt Heinks. Denn: Ab Februar 2011 erfolgt die erste Rückzahlung, die sich bis Januar 2031 fortsetzen. Wer 5000 Euro auf diese Weise anlegt, dem wird über die Laufzeit von 20 Jahren eine Gesamtrendite von 2021,26 Euro versprochen.
Bürgermeister Josef Heyes ist neben dem finanziellen Aspekt ein ideeller wichtig. "Bei Heimatinvest geht es um die Identifikation mit der Stadt", sagt er. Schließlich ist mit dem Geld der Bürger ein konkretes Projekt verknüpft: der Neubau der Gemeinschaftsmensa für das St. Bernhard-Gymnasium und die Willi-Graf-Realschule in Schiefbahn. 1,7 Millionen Euro möchte die biw-Bank der Stadt als Bürgerdarlehen dafür zur Verfügung stellen. Das wären 340 Bürger, die jeweils 5000 Euro bei "Heimatinvest" anlegen. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir diese Summe erreichen" sagt Heyes. Bei ihm habe sich schon ein gutes Dutzend Interessenten gemeldet – auch aus anderen Städten.
Für die Bank mit Sitz in Anrath ist "Heimatinvest" noch ein Versuch. "Wir werden sehen, ob es sich lohnt, dieses Projekt auch anderen Kommunen anzubieten", sagt Vorstand Heinks. Interessenten könnte es womöglich viele geben. Das Willicher Modell ist jedenfalls in Erkrath (Kreis Mettmann) schon auf Resonanz gestoßen. Die dortige SPD hat Bürgermeister und Kämmerer beauftragt, zu prüfen, ob "Heimatinvest" auch in Erkrath möglich sei.
Bleibt die Frage, die "Einslive", der junge Radiosender des WDR, Bürgermeister Josef Heyes stellte: Ob er sich denn auch beteiligen wolle an "Heimatinvest"? "Das", sagt Heyes, "muss ich erst mit meiner Frau absprechen."
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