Stadt Willich: Jakob C. starb, weil er die Pferde retten wollte
VON ANDREAS CÜPPERS - zuletzt aktualisiert: 23.06.2009 - 16:48Stadt Willich (RPO). Er wollte vermutlich 48 Pferde retten und vergaß dabei, sich selbst in Sicherheit zu bringen. Bei dem verheerenden Großbrand auf dem Hülsdonker Hof in Willich in der Nacht zu Montag ist Jakob C. ums Leben gekommen. Der 64-Jährige hatte das Feuer bemerkt und wollte in der Scheune nachsehen, als ihm dichter Rauch entgegenschlug.
Auf dem Innenhof brach er zusammen. Nach zuerst erfolgreicher Reanimation starb er im Krankenhaus. Laut Obduktionsbericht von Dienstag starb der 64-Jährige eines natürlichen Todes, nicht in Folge der erlittenen leichteren Brandverletzungen und auch nicht aufgrund einer Rauchgasvergiftung. Vielmehr dürfte eine Herzerkrankung todesursächlich gewesen sein, teilt die Polizei mit. Anhaltspunkte für ein strafrechtlich vorwerfbares Verursachen seines Todes seien folglich nicht erkennbar.
Die gute Seele des Clubs
Der Niederländer Jakob C. lebte seit 1984 auf dem Hülsdonker Hof. Beim Rhein Polo Club, der seinen Sitz dort seit 1975 hat, war er halbtags auf 400-Euro-Basis beschäftigt. Eigentlich war er aber mehr als das. Der Niederländer war im Club so etwas wie die gute Seele. Einer, der bei allen Veranstaltungen dabei war, stets mit anpackte, jedem freundlich und hilfsbereit begegnete. "Ein ganz bescheidener und ruhiger Mann, der nie Nein sagen konnte", sagt Heinz van de Sandt.
Brand des Gartenhauses
Die Ermittler rechnen aufgrund der umfangreichen Spurensuche am Brandort nicht damit, dass kurzfristig Aussagen zur Brandursache zu erwarten sind. Einen Schritt weiter indes sie bei ihren Untersuchungen zur Ursache des Brandes des Gartenhauses auf dem Gelände in der vergangenen Woche. Ein technischer Defekt ist nach dem derzeitigen Ermittlungsstand als Ursache für das Feuer auszuschließen. Die Ermittlungen, ob das Gartenhaus durch fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung oder durch einen Blitzschlag in Brand geriet, dauern noch an.
Seiner Frau Dorrith gehört der Hülsdonker Hof in Wekeln. Sie entstammt der Familie Langenfels, die das ehemalige Adelsgut Mitte des 19. Jahrhunderts übernahm. Sieben Pferde auf dem Hof gehören den van de Sandts, die anderen 41 den Polo-Spielern des Clubs. Robin Leander, eines der Mädchen, die sich um die Pferde kümmert, erzählt von der Koch- und Backleidenschaft des Opfers. "Bienenstich war Jakobs Lieblingskuchen."
Andere schätzten seine menschlichen Eigenschaften. "Er war ein herzensguter Mensch. Jeder kannte ihn", sagt Edmund Poßberg. Er hat einen Hof in der Nähe und verwaltet das Gelände des Polo Clubs. Edmund Poßberg kennt auch die Leidensgeschichte des Opfers. "Seine Lunge hatte nur noch eine Leistungsfähigkeit von 30 Prozent", erzählt Poßberg.
1988 war Jakob C. schon einmal Opfer eines Feuers geworden. Damals war sein Fernseher implodiert. Jakob C. hat eine Rauchvergiftung erlitten und drei Monate im Koma gelegen. Seitdem hatte er die Probleme mit seiner Lunge. "Er kam erst vor zwei Wochen aus einer Reha zurück", sagt Poßberg. In einem halben Jahr hätte er die Rente durchgehabt. "Sein Tod ist ein tragischer Verlust."
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