Willich: Kindergarten oder Mensa?
VON ANDREAS CÜPPERS - zuletzt aktualisiert: 03.08.2010Willich (RPO). Die Stadt Willich möchte Bürger an der Finanzierung große Projekte beteiligen. Mit "Bürgerinvest" sollte ein Kindergarten in Schiefbahn gebaut werden. Jetzt könnte es auch die Mensa von Gymnasium und Realschule werden.
Das ist "Bürgerinvest"
Einlage mindestens 5000 Euro
Laufzeit 20 Jahre
Rendite Zwischen 3,8 und 4 Prozent
Schnittstelle Die "biw-Bank" mit Sitz im Haus Broich in Anrath fungiert als Schnittstelle für die privaten Geldgeber und wickelt das Projekt ab. Die Bank sammelt das Geld von den Bürgern ein und bekommt dafür eine geringe Gebühr.
Nutzen Die Stadt spart durch dieses Finanzierungsmodell gegenüber "herkömmlichen" Krediten (Verzinsung zwischen 3,8 und 4,2 Prozent) nur unwesentlich. Dem Kämmerer geht es um die Identifikation der Bürger mit dem Projekt.
Stadt Willich Irgendwie kann Willy Kerbusch die ganze Aufregung nicht verstehen. Mit einem solchen Medienecho hätte der Kämmerer der Stadt Willich nicht gerechnet, als Bürgermeister Josef Heyes und er ein neues Finanzierungsmodell entwickelten, das dazu beitragen soll, auch in Zeiten der Finanzkrise große Bauprojekte realisieren zu können. "Bürgerinvest", nennt sich das Modell, bei dem die Bürger der Stadt Geld leihen. Mit einer Einlage von mindestens 5000 Euro kann sich jeder beteiligen. Indiz für die Ausgefallenheit der Idee: Bürgermeister Heyes war zu diesem Thema unlängst Gesprächsgast in der RTL-Sendung "Stern TV" mit Günter Jauch.
Gedanken gemacht
Kämmerer Willy Kerbusch hat sich zwischenzeitlich Gedanken gemacht, welches große Projekt mit "Bürgerinvest" finanziert werden soll. Bislang war stets der neue Kindergarten in Schiefbahn angedacht, inzwischen sei auch denkbar, die gemeinsame Kochmensa des St. Bernhard-Gymnasiums und der Willi-Graf-Realschule mit dem Geld der Bürger zu finanzieren, so Kerbusch im RP-Gespräch. "Beide Projekte sind Zukunfts-Projekte", sagt der Kämmerer.
Der Kindergarten an der Augustinerinnenstraße ist ein ökologisches Vorzeige-Projekt. Es wird die erste Kita in der Stadt mit Passivhaus-Standard. Das Dach wird begrünt, eine Solarthermie- sowie eine Erdwärmepumpenanlage sind geplant. Der Neubau wird notwendig, weil die bisherigen Räume des Kindergartens im Komplex des St. Bernhard-Gymnasiums demnächst nicht mehr zur Verfügung stehen. Das Gymnasium braucht Platz für den Ganztagsbetrieb. Die Mensa hingegen ist deshalb ein Zukunfts-Projekt, weil von dort aus künftig beinahe alle weiterführenden und einige Grundschulen der Stadt mit frisch zubereitetem Essen versorgt werden können. Für das Modell einer Kochmensa hatten sich Schüler, Eltern und Lehrer des St. Bernhard-Gymnasiums vehement eingesetzt. Ursprünglich war lediglich eine Mensa vorgesehen, in der angeliefertes Essen aufgewärmt wird.
Beide Projekte sind noch in der Planungsphase. Der Bau des Kindergartens hatte sich verzögert, weil aufgrund der hohen ökologischen Standards noch etliche Details zu klären waren, sagt Willy Kerbusch. "Das ist, als wenn man ein Zwei-Liter-Auto bauen möchte."
Entscheidend wird sein, wer den Auftrag für die Erstellung bekommt. "Demjenigen könnten wir dann das Finanzierungsmodell vorschlagen", sagt Kerbusch. Bis nach den Ferien könnte sich die Vergabefrage geklärt haben, so der Kämmerer. Das Investitionsvolumen ist bei beiden Projekten in etwa gleich hoch und liegt bei rund 1,5 Millionen Euro. Frage des Tages
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