Willich: "Kneipen-Szene wird ärmer"
VON JAN POPP-SEWING - zuletzt aktualisiert: 09.05.2008Willich (RPO). In zwei Monaten gehen in der Gastronomie die Zigaretten aus. Dann darf nur noch in Extra-Räumen gequalmt werden. Die Wirte in Willich und Tönisvorst bauen um – und befürchten Umsatzeinbußen.
Im „Vorspiel“ an der Bahnstraße wird demnächst umgebaut. Das L-förmige Lokal hat den Vorteil, dass es sich einigermaßen gut teilen lässt. Der kleinere Eingangsbereich mit seiner langen Bar wird zum 1. Juli Raucher-Zone. Die etwas größere Fläche dahinter mit Tanzboden und DJ-Pult wird rauchfrei. „Wir werden eine Wand und eine Schwingtür einbauen“, sagt Mitinhaber Nicolai Michel-Hanke. Er rechnet mit einer Investition von „1000 bis 2000 Euro“.
Ob die Lösung letztlich dem Gesetz entspricht, weiß der Gastronom noch nicht. „Es ist noch nicht klar, wie NRW das Gesetz genau umsetzt. Speziell die Frage, ob es zulässig ist, dass Nichtraucher erst durch Raucher-Bereiche gehen müssen, um in ihren bereich zu kommen“. Sollte das Land sich kurzfristig entscheiden, Nichtrauchern einige Schritte durch Racuher-Qualm nicht zumuten zu wollen, wäre der „Vorspiel“-Plan obsolet – und man müsste neu überlegen. Natürlich rechnen die Gastronomen mit Umsatz-Einbußen durch das Gesetz, vor allem am Wochenende: „Da rauchen 80 Prozent der Leute“, schätzt Michel Hanke. „Es wird schwer, ihnen beizubringen, dass sie auf unserer Tanzfläche dann nicht mehr rauchen dürfen“.
Gesetz ab 1. Juli
Termin Ab 1. Juli treten die Teile des Nichtrauchergesetzes in Kraft, die die Gastronomie betreffen.
Ausnahmen In der Gastronomie darf dann nur noch in Extraräumen, kurzfristig aufgebauten Festzelten, speziellen Raucherclubs oder geschlossenen Gesellschaften geraucht werden.
Rauchverbot Wenn öffentliche Kneipen nur einen Raum zur Verfügung haben, herrscht in diesem Rauchverbot.
Ärger bei Stammgästen
Die Gaststätte „Zum Jupp“ in Tönisvorst gehört zu der Gattung Lokale, die das Gesetz besonders hart trifft. Dort hat man keine Möglichkeit, einen Raum abzuteilen. Daher herrscht in dem Lokal an der Roßstraße in Tönisvorst ab 1. Juli Rauchverbot. „Wir lassen es auf uns zukommen. Einigen Stammgästen wird das sicher nicht gefallen“, sagt Inhaberin Siegrid Hammes.
„En de Hött“-Wirt Martin Kraemer, muss in seinem Lokal am Willicher Markt voraussichtlich zum 1. Juli den Eingangsbereich verändern, um separate Bereiche für Raucher und Nichtraucher zu schaffen. „Hier wurde ein schlechtes Gesetz schlecht umgesetzt“, ärgert sich der Gastronom. Er rechnet damit, dass die neue Regelung vor allem vielen kleinen Kneipen, die keine Raucherzonen einrichten können, den Todesstoß versetzen wird. „Die Kneipenlandschaft in Willich wird dadurch ärmer werden“, prophezeit er.
In anderen Bundesländern habe die Gastronomie im Schnitt 20 Prozent Umsatz eingebüßt. Das lasse auch für NRW ab 1. Juli Übles erwarten. Einfacher haben es die Vermieter von Sälen, wie Heinz Schiffer (Willicher Kaisersaal). Denn ob bei geschlossenen Veranstaltungen geraucht wird, bleibt dem Veranstalter überlassen. Im Gastro-Bereich des Kaisersaals wird ab 1. Juli ein Raucher-Raum mit einer Glastür abgetrennt. „Zwar sind mittlerweile 80 Prozent unserer Gäste Nichtraucher. Aber es gibt auf der anderen Seite auch ein paar starke Raucher, und die wollen wir nicht verlieren“, sagt Inhaber Heinz Schiffer. Frage des Tages
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