Stadt Willich: Praktikum im Baltikum
VON ANDREAS CÜPPERS - zuletzt aktualisiert: 29.01.2009Stadt Willich (RPO). Die Johannesschule in Anrath wird demnächst Europaschule. Ein Nebeneffekt der Zertifizierung: Die Hürden für Auslandsaufenthalte werden niedriger. Drei Schülerinnen machen so im Februar ihr Praktikum in Lettland.
Eine kleine Sorge ist Franziska Kolax schon los. Ihr Schülerbetriebs-Praktikum kollidiert nicht mit der Hochphase der Karnevalszeit. "Da sind wir schon wieder zurück", sagt die Neuntklässlerin der Johannesschule. Zusammen mit zwei anderen Schülerinnen der Anrather Hautpschule macht sie ihr Praktikum nämlich nicht in Willich oder der näheren Umgebung, nicht mal sonstwo in Deutschland, sondern in Lettland. Und die Balten haben mit Karneval gemeinhin nicht so furchtbar viel am Hut.
Es wird spannend
Es ist aber zu vermuten, dass selbst die Aussicht, zum närrischen Höhepunkt fernab des Rheinlandes zu sein, die 17-Jährige nicht davon abgehalten hätte, dort ihr Praktikum zu machen. Dafür sprechen auch die anderen beiden Neuntklässlerinnen zu euphorisch über das bevorstehende Abenteuer. "Es wird eine spannende Sache", sind sich Franziska und ihre Mitschülerinnen Swenja Frings und Asli-Nadine Suren (beide 15 Jahre) einig.
Ab März Europaschule
Smiltene Die Stadt Willich unterhält seit bald zehn Jahren ein freundschaftliches Verhältnis zu der lettischen Stadt.
Lage Die Stadt liegt im Norden Lettlands, etwa 150 Kilometer von der Hauptstadt Riga entfernt und hat rund 6000 Einwohner.
Europaschule Die Johannesschule wird am 20. März offiziell zur Europaschule ernannt. Die drei Schülerinnen sollen im Rahmen der Feier auch vom Praktikum berichten.
Das Auslandspraktikum wird möglich, weil die Johannesschule zum einen seit einigen Jahren ein freundschaftliches Verhältnis zu einem Gymnasium in der lettischen Stadt Smiltene unterhält und regelmäßig Schüler austauscht. Zum anderen hilft die bevorstehende Zertifizierung der Johannesschule als Europaschule. "Dadurch wird es bedeutend einfacher, unsere schüler ins Ausland zu schicken. Das ging bislang nicht ohne Weiteres", sagt Lehrer Wolfgang Brock. Er ist an der Johannesschule so etwas wie der Europa-Beauftragte und kümmert sich auch um die drei Praktikantinnen. "Sie sind die Ersten an unserer Schule, die ihr Praktikum in Lettland machen. Da gehört schon Mut dazu", findet er.
Am 1. Februar geht es für die Drei los. Swenja wird danach drei Wochen im Tourismusbüro der Stadt arbeiten, Asli-Nadine und Franziska machen ihr Praktikum in einem Kindergarten. Untergebracht werden sie in Gastfamilien. Am meisten Respekt haben die Mädchen vor der fremden Sprache. "Am Anfang wird das bestimmt sehr schwierig sein", glaubt Asli-Nadine. Das stelle aber auch den Reiz dar, die Herausforderung. Zudem freuen sich die Schülerinnen darauf, ein neues Land und viele neue Leute kennen zu lernen. "Die Letten sind sehr nett", sagt Swenja. Das habe zumindest die Erfahrung mit den lettischen Schülern gelehrt, die bislang in Anrath zu Besuch waren. Statt Nervosität überwiegt auch deshalb noch die Vorfreude. Und die Aussicht auf eine Aufwertung des Lebenslaufes. "Auf so ein Auslandspraktikum kann man schon stolz sein", findet Franziska. "Das macht sich später gut bei Bewerbungen." Mit Büchern haben sich die Drei, die bislang zu Lettland noch keine enge Bindung hatten, auf das Abenteuer vorbereitet. Ein Thema war auch das Wetter. "Ich habe letztens nachgeschaut", erzählt Swenja. Da war es da richtig kalt." Für das Kofferpacken haben sie das vermerkt.
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