Willich: Schatz unter Willich
VON JAN POPP-SEWING - zuletzt aktualisiert: 14.06.2008Willich (RPO). Willich ist einer der besten Standorte für Geothermie-Anlagen in ganz NRW. Erdwärme-Heizungen laufen besonders gut in Alt-Willich und Schiefbahn. Jetzt will die Stadt dazu ein Kompetenzzentrum einrichten.
STADT WILLICH Natürlich wird auch im Sommer im Fitnessstudio Halle 22 ordentlich Schweiß vergossen. Doch das liegt nur an der Anstrengung der Trainierenden, nicht an der Sonne, die auf die Glasfront des 2004 gebauten Anbaus brennt und diesen eigentlich gnadenlos aufheizen müsste. Denn eine aufwändige Klimaanlage gibt es nicht. Das Geheimnis steckt im Fußboden. Der ist angenehm kühl, was man im ganzen Studio merkt. Die Halle 22 ist das erste Unternehmen im Stahlwerk Becker, das Geothermie nutzt.
Dass Willich ein besonders gutes Pflaster für den Einsatz der Erdwärme ist, ist schon lange bekannt. Karten des Geologischen Dienstes zeigen, das Willich sogar einer der Top-Geothermie-Standorte ist, wenn nicht der beste in ganz NRW. Heizanlagen, die Erdwärme nutzen, laufen besonders in Alt-Willich und Schiefbahn mit hoher Effizienz – und mittendrin liegt das Stahlwerk Becker. „Ein knallharter Standortvorteil“, sagt Peter Heinze von der städtischen Grundstücksgesellschaft – gerade im Hinblick auf explodierende Öl- und Gaspreise. Bereits in der kommenden Woche wollen Stadt, Banken und das Ingenieurbüro GeoBit ein Kompetenzzentrum Geothermie einrichten, wie Willy Kerbusch, Geschäftsbereichsleiter Zentrale Finanzen, bestätigt. Dieses soll vor allem Bauherren und ansiedlungswillige Firmen über Möglichkeiten der Erdwärme-Nutzung informieren. Auch sollen Bank-Mitarbeiter, die ja letztlich die entsprechenden Kredite vermitteln, geschult werden. Für Bürger gibt es nach den Sommerferien mittwochs eine wöchentliche Geothermie-Sprechstunde.
Geothermie
Funktionsweise Geothermie-Anlagen nutzen die in der Erde gespeicherte Wärmeenergie mit Hilfe einer Wärmepumpe aus.
Kosten Eine Anlage für ein Einfamilienhaus kostet ca. 5000 Euro mehr als eine Gasheizung. Strom wird dabei noch zum Betrieb der Wärmepumpe gebraucht. Die Anlage amortisiert sich nach etwa 6 1/2 Jahren.
Damit Investoren so eine Wärmetauschanlage in Betrieb sehen können, wird die Stadt noch im Sommer mit dem Bau einer Geothermie-Heizung im Hülsmannhof in der Nähe des Stahlwerks beginnen, so Kehrbusch. Dort sollen im Auftrag der Stadt zwei Gewerbehallen (800 und 200 Quadratmeter) entstehen, die durch Erdwärme und Sonnenkollektoren von Öl und Gas komplett unabhängig sind.
Auf den „Schatz im Boden“ aufmerksam gemacht hat die Stadt das Ingenieurbüro GeoBit aus Aachen, das sich seit Jahren mit Altlasten in Willich befasst. Bohrungen in 30 Meter Tiefe zeigten, dass die Temperatur dort konstant zwölf Grad beträgt, egal ob Sommer oder Winter. Diese Energie lässt sich durch Wärmetausch-Pumpen nutzen. Etwa zum Heizen oder Kühlen, wie in der Halle 22. Deren Betreiberin, Edith Gribs-Lintner, ist mit der Kühlung mittels Erdwärme (in ihrem Fall aus acht Metern Tiefe) äußerst zufrieden. Zweimal im Jahr wird die Anlage gewartet, und sie läuft störungsfrei.
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