Stadt Willich: Vertriebene erinnern an ihre Herkunftsgebiete
zuletzt aktualisiert: 28.09.2009Stadt Willich (RPO). (schö)- "Wahrheit und Gerechtigkeit – Ein starkes Europa", unter diesen Leitsatz stellte der Kreisverband des Bundes der Vetriebenen seine 60-Jahr-Feier in Anrath. Der Vorsitzende der ostpreußischen NRW-Landsmannschaft, Jürgen Zauner, und mit ihm die Vertriebenen fühlen sich nach wie vor von den verantwortlichen Regierungen im Regen stehen gelassen, was die Art der Enteignung und Entschädigung angehe. Von daher könnte von einem gerechten Europa keine Rede sein.
Eiserner Willen, unbändiger Fleiß
Das evangelische Gemeindehaus Anrath war sehr gut bewsucht, als der heutzutage nur noch etwa 400 Mitglieder zählende und von Hartmut Perseke aus Anrath geführte Kreisverband an die Gründung im Jahre 1949 erinnerte. "Ihr habt mit eisernem Willen und unbändigem Fleiß zum Gemeinwohl beigetragen", erinnerte Willichs Bürgermeister Josef Heyes daran, dass 1950 etwa 4500 Heimatvertriebene und Flüchtlinge allein in die vier Orte der heutigen Stadt Willich gekommen waren und ihre neue Heimat in vielen Wohnbereichen gefunden hätten.
Neben seiner Kritik ("Wir werden den Versöhnungskitsch nach wie vor nicht mitmachen") blickte Jürgen Zauner aber auch nach vorn und sicherte zu, dass wir "unsere neue Heimat weiterhin erhalten und pflegen werden." Die einstigen Landeswappen oder Kunstgegenstände und Gewerkeltes, das in einem Basar zu erwerben war, i erinnerten an die Herkunftsgebiete der Vertriebenen. Die Kempener Margot und Friedhelm Jäger, die seit 52 Jahren miteinander verheiratet sind, kamen sogar in pommerscher Tracht zur Veranstaltung.
Unter den Jubiläumsgästen war auch der 80-jährige Tönisvorster Heinz Bortz, der dem Kreisverband ebenso wie Helmut Nitzsche (ebenfalls aus Tönisvorst) seit fünf Jahrzehnten angehört. Zum Gelingen der Veranstaltung trugen der Anrather Mundartchor "De Leddschesweäver", Friedel Kluth mit mundartlichen Solo-Vorträgen sowie ein siebenköpfiges Ensemble des St. Töniser Akkordeonorchesters. Kreis-Vorsitzender Hartmut Perseke dankte für das große Interesse und wies darauf hin, dass der nächste "Tag der Heimat" 2010 in Anrath stattfinde.
Interessante Gedanken zum Tag der Heimat machte sich noch Publizist und WDR-Moderator Hubert Maessen. Er sprach den Heimatvertriebenen ebenfalls aus der Seele: "Alle Deutschen haben den Krieg verloren, die Vertriebenen haben den totalen Krieg total verloren." Er wandte sich gegen das Argument, die Deutschen hätten den Krieg ja begonnen: "Man kann das Unrecht der Vertreibung nicht aus einem anderen Unrecht ableiten."
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