Stadt Willich: Viel Verantwortung, wenig Geld
VON CHRISTIAN HEIDRICH - zuletzt aktualisiert: 21.01.2009Stadt Willich (RPO). Tagesmütter verdienen nicht viel. Nun müssen sie seit dem 1. Januar Steuern und Sozialabgaben zahlen.
Dennoch scheint das Interesse an dieser Tätigkeit ungebrochen zu sein, sagen Kommunen und Bildungsträger.Sie wollte die Haushaltskasse aufbessern und Tagesmutter werden. Daher meldete sich Anneliese P. (Name von der Redaktion geändert) beim Verein Tagesmütter in Meerbusch und Willich. Im Auftrag der beiden Kommunen vermittelt der Verein Tagesmütter. Neben ihren eigenen beiden Kindern kümmert sich die 42-Jährige um Kinder, die berufstätige Eltern morgens früh in ihre Wohnung bringen und im Laufe des Nachmittags wieder abholen. Die Aufgabe macht ihr viel Spaß. Allerdings wünscht sie sich mehr gesellschaftliche Anerkennung und mehr finanzielle Sicherheit für Tagesmütter.
Die Grünen im Landtag von Nordrhein-Westfalen fürchten statt mehr Sicherheit für Tagesmütter, dass in Nordrhein-Westfalen ein Drittel aller Tagespflegeplätze wegfallen könnte. Hintergrund: Seit dem 1. Januar müssen Tagesmütter Steuern und Sozialabgaben bezahlen. Die Landesregierung will morgen einen Bericht vorlegen.
Was noch wichtig ist
Bisherige Regelung Das vom Jugendamt bezahlte Betreuungsgeld für die Tagesmutter war steuerfrei. Von Eltern bezahlte Entgelte waren steuerpflichtig.
Neue Regelung Seit Jahrebeginn gilt: Alle Einnahmen der Tagesmütter sind steuerpflichtig. Alle Einkünfte, die über der Betriebskostenpauschale von monatlich 300 Euro pro Kind liegen, müssen versteuert werden.
Dass das Interesse von Frauen an der Tätigkeit als Tagesmutter in den vergangenen Wochen und Monaten nachgelassen hat, kann Michael Süßbeck vom Jugendamt der Stadt Willich nicht bestätigen. Das Amt stellt Tagesmüttern so genannte Pflegebescheinigungen aus. Um die zu bekommen müssen sich Bewerber bei Stellen wie dem Verein Tagesmütter in Meerbusch und Willich bewerben, die im Auftrag der Stadt Willich Bewerber qualifizieren. Bewerber in Willich müssen die Kurse selber bezahlen. Werden sie als Tagespflegeperson vermittelt, erstattet die Stadt Willich einen Teil der Qualifizierungskosten. In Willich verdienen Tagesmütter nach Angaben von Michael Süßbeck zwischen 2,50 und drei Euro in der Stunde.
Kerstin Rau-Berthold kann zurzeit noch kein sinkendes Interesse an den Qualifizierungskursen verzeichnen. "Wir hatten es allerdings befürchtet", sagt sie mit Verweis auf die seit Jahresbeginn geltende Steuer- und Sozialabgabenpflicht für Tagesmütter. Die Anmeldungen zum nächsten Basisqualifikationskursus, der im Februar beginnt und 50 Unterrichtsstunden umfasst, liefen unverändert gut. Zudem gibt es Aufbauqualifizierungen. Insgesamt umfasst die Qualifizierung zur Tagesmutter, die das Forum anbietet, rund 160 Unterrichtsstunden. Das Forum macht solche Qualifizierungsangebote für Tagesmütter unter anderem in Zusammenarbeit mit der Stadt Kempen.
Fachbereichsleiterin Rau-Berthold betont, dass die Tätigkeit von Tagesmüttern "eine wertvolle Aufgabe ist". Die Ansprüche an die Tagesmütter stiegen, sie hätten auch einen Bildungsauftrag in der frühkindlichen Erziehung. Vor diesem Hintergrund bedauere das Forum, dass Tagesmütter so wenig verdienten. Frage des Tages
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