Willich: Willich zapft die Erde an
VON JAN POPP-SEWING - zuletzt aktualisiert: 21.06.2008Willich (RPO). Nach nur wenigen Wochen Vorbereitung ist das „Kompetenzzentrum Geothermie“ im Stahlwerk Becker gestartet. Nach den Sommerferien sollen sich Bürger hier über die Erdwärme-Nutzung informieren können.
Kompetenzzentrum
Lage Im Gründerzentrum, Gießerallee 19, Halle 33
Sprechstunde Nach den Ferien mittwochs 16 bis 19 Uhr
Anmeldung unter der Telefonnummer 02151-366218 oder per Mail info@geothermie-willich.de
Internet Ab sofort ist die Internetseite des Zentrums geschaltet:
Vor zwei Millionen Jahren lag Willich am Rhein. Genauer gesagt: Durch große Teile der heutigen Stadt zogen sich Mäander des breiten Urstroms. Neben Sand schleppte der Fluss auch reichlich groben Kies Richtung Nordsee. Davon zeugt heute noch eine 30 bis 40 Meter dicke Sand- und Geröll-Schicht.
Die ist buchstäblich Gold wert, zumindest für Geothermie-Experten. Denn der Kies sorgt im Zusammenspiel mit dem Grundwasser dafür, dass Erdwärme besonders gut geleitet wird. Untersuchungen des Geologischen Dienstes NRW ergaben, dass Willich sogar zu den besten Geothermie-Standorten des Landes zählt.
Um das bekannter zu machen, haben Stadt und Grundstücksgesellschaft zusammen mit dem Aachener Ingenieurbüro Geobit und mehreren Banken innerhalb von sechs Wochen ein „Kompetenzzentrum Geothermie“ aus dem Boden gestampft. Eine Idee des künftigen Kämmerers Willy Kerbusch. Im Gründerzentrum des Stahlwerks Becker an der Gießerallee steht der Erdwärme-Initiative jetzt die Halle 33 zur Verfügung. In Anwesenheit von Willichs Bürgermeister Josef Heyes wurde das Zentrum offiziell eröffnet. Nach den Sommerferien sollen sich dort Unternehmer und private Bauherren über die Vorteile der Erdwärme-Heizung informieren können. Mittwochs wird es eine wöchentliche Sprechstunde geben. Der große Vorteil der Geo-Energie: Durch den Einbau einer Erdwärme-Heizung ist es möglich, sich vom explodierenden Öl- und Gaspreis abzukoppeln. Strom verbraucht dann nur noch die Wärmepumpe. 75 Prozent der benötigten Energie werden so „durch Anzapfen der Erde“ gewonnen. Die Experten rechnen vor, dass der Einbau einer Erdwärme-Fußbodenheizung in ein Einfamilienhaus etwa 5000 Euro mehr kostet als eine herkömmliche Gasheizung. Eine Summe, die sich in der Modellrechnung bereits in sechseinhalb Jahren amortisiert. Eine Anlage ist im Kompetenzzentrum bereits in Betrieb. Auch der Fitnessclub Halle 22 im Stahlwerk nutzt Erdwärme. Im Sommer will die Stadt zwei Hallen des Hülsmannhofs umbauen. Die 1000 Quadratmeter Hallenfläche sollen per Erdwärme beheizt werden. Die für die Wärmepumpe nötige Energie soll aus Solarstrom kommen. Überschüssiger Strom soll gegen Vergütung ans Stromnetz abgegeben werden.
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